NRW-Klasse 6. Spieltag: SK Münster II – SK Werther 5:3

Werther (ehu). Marko gebührt am dritten Brett der Schönheitspreis des Tages. Hübsch opferte er im Endspiel seine Dame. So ebnete er im Duell mit Aaron Kamp (DWZ 2081) seinem weit vorgerückten h-Bauern den Weg zur Umwandlung. Das einminütige Video hält das finale Damenopfer fest, wonach sein Gegner sofort aufgibt:

Marko am dritten Brett.

Markos Schlussstellung ist ein Diagramm wert:

Ein paar Züge zuvor zieht Marko im Foto Dg7 und bietet damit erstmals seine Dame preis. Doch die darf Schwarz nicht nehmen.

Markos Chart zeigt, dass der Weg zum weißen Sieg alles andere als trivial war:

Zum Nachspielen ist seine Partie angefügt. Im Endspiel unterläuft ihm im 67. Zug ein Fehler, der die Stellungsbewertung kurzfristig von 3,55 Plus auf 0,06 herabrauschen lässt. Doch wer hätte in der Stellung nicht ebenfalls f5 gezogen?

Ich saß neben ihm und agierte ziemlich kopflos. Naiv opferte ich am vierten Brett in der Eröffnung Springer und Läufer für Turm und Bauer.

Mein Gegner stand danach klar auf Gewinn und verbesserte Zug um Zug seine Stellung. Nach 54 Zügen gab ich endlich auf. Ich fragte nach einer gemeinsamen Analyse und ging in den Analyseraum. Doch mein Gegner kam nicht. Vielleicht war ihm die Partie zu einseitig oder er ist einfach unhöflich – keine Ahnung. So analysierte ich das Trauerspiel erst alleine und dann kurz mit Jonas.

Das ist meine Schlussstellung mit den schwarzen Steinen. Mein Gegner spielte mit 99 Prozent Genauigkeit ziemlich gut – ich hab’s ihm sehr leicht gemacht:

Doch nicht allein meinetwegen verloren wir den Kampf. Ersatzgeschwächt waren unsere Chancen ohnehin gering. Denn Markus und Florian sagten ab.

Kurz vor dem Start des Kampfes.

Zu unserer Überraschung trat die zweite Mannschaft des SK Münster ebenfalls deutlich schwächer als üblich an die Bretter. Davon gespürt haben wir leider kaum etwas. Hier die Einzelergebnisse:

Einen schönen Einzelerfolg aus unserer Sicht zum Auftakt der Begegnung feierte Insa am siebten Brett:

So sieht ihre Schlussstellung mit Weiß nach nur 21 Zügen aus:

Null Fehler, null Patzer und nur eine Ungenauigkeit sagt ihr Analyseverlauf – stark:

Kann es sein, dass sie die erste weibliche Spielerin ist, die für den SK Werther in der NRW-Klasse einen Punkt geholt hat? Oder ist es sogar so, dass sie überhaupt die erste weibliche Spielerin ist, die jemals für die erste Mannschaft des SKW gespielt hat? Siegreich noch dazu.

Wer hat den Frauen 1918 eigentlich das Wahlrecht zugestanden? Und wer hat ihnen schon vier Jahrzehnte später die männliche Vormundschaft entzogen? Seitdem erleben wir einen Dammbruch nach dem anderen. Sollen die „Wesen zweiter Klasse“ (Schopenhauer) etwa irgendwann das gleiche Geld verdienen wir wir? Und uns dann womöglich auch noch am Schachbrett eine lange Nase zeigen?

Zur Ehrenrettung steuerte Jan am zweiten Brett einen Sieg des überlegenen männlichen Geistes bei.

Jans letzter Zug ist Lf2, sein Gegner gibt in der folgenden Stellung auf:

Und hier ist sein Analyseverlauf. 97 Prozent Genauigkeit ist ein mannschaftsinterner Rekord:

Jonas, Mario, Malte und Ilya verloren ihre Partien.

Jonas erkältet am ersten Brett.

Jonas opferte fatalerweise auf g6 einen Springer. Sein Gegner verteidigte sich akkurat. So ergab sich unser Spitzenspieler später seinem Schicksal und baute mehr oder weniger ein Selbstmatt. Hier ist das Matt und der Partiechart:

Im Schlussdrittel ließ ihm der Münsteraner keine Chance:

Mario am fünften Brett strich im Turmendspiel die Segel.

Mario

Im 20. Zug bot er Remis. Die Stellung war zu diesem Zeitpunkt total ausgeglichen. Doch sein Gegner lehnte ab. Ein paar Züge später ging es bergab für unseren Mann, weil Mario anscheinend die TurKMenistan-Regel nicht ausreichend beherzigte (Turmaktivität vor Königsaktivität vor Material). Hier ist seine Schlussstellung mit den weißen Steinen:

Marios Chartverlauf zeigt die späte Talfahrt:

Maltes Partie am sechsten Brett war nach seiner Aussage ein „Auf und Ab“. Sein Partiechart untermauert seine Einschätzung. Zwischenzeitlich erarbeitete sich Malte einen Vorteil von 5,8 Bauerneinheiten. Ich hätte mir ins Knie gebissen, wenn ich das noch verloren hätte. Malte verlor und biss sich nicht ins Knie.

Malte

Mit Schwarz am Zug unterlief ihm im 35. Zug ein schwerer Fehler, der seinen gesamten Vorteil zunichte machte. Er spielte nämlich im folgenden Stellungsbild das naheliegende Sxc1, doch der beste Zug ist Sf6!. Möglicherweise hätten wir danach zumindest einen Punkt aus dem Mannschaftskampf mit nach Hause genommen:

Jood Alhamwi – Malte Prochnow 1:0.

Eine letzte, versteckte Möglichkeit zum Ausgleich vergab Malte kurz vor Schluss – ziemlich aufregende Partie. Hier ist noch einmal die bemerkenswerte Ausgleichmöglichkeit, die ich als Beobachter an der Seite ebenfalls nicht erkannte. Was hättet ihr in der Stellung gezogen? Es droht Damenverlust; wer kommt da schon auf den Zug Ka7? Malte gab stattdessen die Qualität und reichte wenig später die Hand zur Aufgabe:

Die weiße Springergabel scheint zu gewinnen. Doch die schwarze Antwort Ka7! reicht zum Ausgleich. Eine nette kleine Taktikaufgabe.

Maltes „Auf und Ab“ als Chart:

Ilya, der sich netterweise sehr kurzfristig für den krankheitsbedingt ausgefallen Florian als Ersatzmann ans achte Brett setzte, produzierte eine Kurzpartie zu seinen Ungunsten: Nach 18 Zügen war Schluss. In einer Wiener Partie unterlief ihm im vierten Zug mit Schwarz ein folgenschwerer Fehler: Sc6??. Danach ist die Partie kaum noch zu retten. Richtig wäre d5 gewesen:

Schwarz beantwortet den Zug f4 mit dem Fehler Sc6: Luis Philipp – Ilya Zolothyk 1:0.

Wir haben gegen den stark ersatzgeschwächten SK Münster II eine gute Gelegenheit zum vorzeitigen Klassenerhalt verpasst. Unsere Tabellensituation hat sich kaum verändert, wir bleiben Fünfter. Nach Brettpunkten hingegen wären wir nur Siebter:

Und hier der Link zur Ergebnisseite des Deutschen Schachbundes: https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=nrw-k1

NRW-Klasse 5. Spieltag: SK Werther – SK BS Paderborn 2:6

Werther (ehu). Das war nichts. Gegen den Tabellenführer haben wir alt ausgesehen. Hier die Einzelergebnisse:

Nur Felix an Brett 8 inszeniert mit Weiß einen hübschen Königsangriff und sackt verdient einen vollen Punkt ein.

Felix Linnenbrügger – Heinz-Gerd Zurgeißel 1:0.

Der Computer bewertet seinen Vorteil in der folgenden Schlussstellung auf knapp sieben Bauerneinheiten:

Die Ansicht des Partieverlaufs zeigt wie stark Felix gespielt hat – 95 Prozent Genauigkeit :

Zur Ergebniskosmetik steuern Marko und ich je einen halben Punkt bei. Marko spielt an Brett 3 sicher und souverän:

Björn Augner – Marko Suchland 0,5:0,5.

Einmal verpasst er eine Chance auf Vorteil, wie sein Chart zeigt:

Am Ende ist Markos Stellungsbild ein staubtrockenes 0,00:

Ich hingegen patze mit Schwarz an Brett 5 schon in der Eröffnung. Ein Blick reicht auf meine völlig zerzauste Bauernstruktur und meinen unsicheren König – totale Pleitestellung nach nur 13 Zügen:

Dennis Janyska – Ekkehard Hufendiek 0,5:0,5.

Doch mein Gegner findet keinen Ausknipser. Zudem wehre ich mich nach Kräften. Im 25. Zug forciert der Paderborner schließlich den Damentausch, was letztlich seinen Vorteil minimiert und zum Ausgleich führt. Meine Schlussstellung sieht so aus:

Dennis Janyska – Ekkehard Hufendiek 0,5:0,5.

Mein Chart zeigt den Patzer in der Eröffnung:

An allen anderen Brettern sind wir leer ausgegangen.

Brett 1 mit Foto und Partie zum Nachspielen:

FM Maurin Möller – Jonas Freiberger 1:0.

Jonas‘ Partiechart:

Brett 2:

Jan Haskenhoff – Niklas Schlangenotto 0:1.

Sein entscheidender Fehler passiert in leicht schlechter Stellung:

Jans Chart zeigt seinen Einbruch in Zeitnot am Ende:

Exorbitant ist Jans Zeitverbrauch. Das Foto unten zeigt den Uhrenstand vor seinem achten! Zug. Er befindet sich also noch in der Eröffnung und hat schon eine Stunde seiner Zeit hineingesteckt. Und es geht weiter: Jan grübelt und grübelt und grübelt.

Nach dem schwarzen Zug Lb4 steckt Jan viel mehr Zeit in das Stellungsproblem als nötig – und findet noch dazu eine zweifelhafte Lösung.

Die Qualität seiner Züge ist zwar gut und im Gegensatz zu mir baut er keine Patzer ein, doch schraubt er seine Zeit schier unaufhaltsam in den Inkrementmodus. Wer empfahl einst, nicht mehr als 20 Minuten pro Zug zu investieren? Ich weiß es nicht mehr. Darüber hinaus gefällte Entscheidungen seien jedenfalls meist schlecht. Die Aussage trifft: In Zeitnot unterläuft unserem Physiker schließlich der obige spielentscheidende Fehler.

Brett 4:

Markus Henkemeier – Kevin Kesselmeier 0:1.

Markus Schlussstellung:

Und sein Partiechart:

Brett 6:

Mario Ortpaul – Moritz Hötte 0:1.

Marios Schlussstellung:

Und Marios Chart:

Brett 7:

Professor Dr. Michael Bösch – Malte Prochnow 1:0.

Das Schlussbild:

Maltes Verlauf – die Partie wird ihm keinen Spaß gemacht haben:

Die Mannschaftsniederlage können wir verkraften. Die fehlenden zwei Punkte werden wir in einigen chancenreicheren Begegnungen holen – zum Beispiel gegen Eichlinghofen. In der Tabelle sind wir ins Mittelfeld abgerutscht:

Der Abschluss der fünften Runde ist ein guter Zeitpunkt für eine mannschaftsinterne Zwischenbilanz. Demnach führen die Scorerliste Markus mit 3 aus 4 und ich mit 3,5 aus 5 an:

Zum Abschluss der Link zur Ergebnisseite der NRW-Klasse des Schachbundes: https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=nrw-k1

Schachtürkencup 2025 – ein Desaster

Paderborn (ehu). Meine Lieblingsfigur aus dem Comic „Streit um Asterix“ heißt Taubenus – ein Spezialist für „psychologische Kriegsführung“.

Taubenus spiegelt bildlich ziemlich genau meinen Gemütszustand wider nach dem Geschehen in der fünften Runde des Schachtürkencups in Paderborn. Dort produzierte ich die wohl größte Eselei meiner Schachkarriere:

Nach zwei Niederlagen und zwei Siegen in Folge saß ich in der fünften Runde an Brett 25 und führte die weißen Steine.

Die Eröffnung läuft gut – das Ende ist zum Heulen. Foto: Lina Hufendiek

Mein Gegner, André Nicolas Heidel vom SC Aschaffenburg, war mit einer Elozahl von 2126 deutlich stärker eingestuft als ich. Trotzdem überspielte ich ihn in der Eröffnung. Nach einigen beiderseits schwachen Zügen im Mittelspiel, nagelte ich ihn schließlich im Königsangriff an die Wand. Zweimal rechnete ich mit seiner devoten Aufgabe, bis wir diese Stellung erreichten:

Ich habe Weiß, bin am Zug und könnte in drei Zügen mattsetzen. Dreimal Schach: g6+,Lf6+, Dxh6++. Also Schach, Schach, Schach – einfacher geht es nicht. Doch ich Esel tausche die Damen.

Ich verliere die Partie und kann es nicht fassen. Auch Dh5, was ich zuerst ziehen wollte, setzt in obiger Stellung matt. Und selbst nach dem Damentausch ist es immer noch matt, allerdings erst nach sechs Zügen, was ich in Zeitnot nicht gefunden habe.

Mein Gegner sagte im Anschluss, dass es ihm leidtue. Das machte es noch schlimmer. Ich verstehe bis heute nicht, warum ich ein Brett vor dem Kopf hatte. Danach war das Turnier für mich gelaufen und ich verlor jede Partie. DWZ-Verlust 100.000. Morgen höre ich auf mit der Klötzchenschieberei. Hier ist meine chronologische Gegnerliste:

Klar, dass es bei Jonas Freiberger, Michael Henkemeier und Stefan Bauer besser lief. Sie hielten die Fahnen unseres Schachklubs deutlich höher als ich. Jonas wurde 18. der A-Gruppe.

Gegen Martin Fenner in der ersten Runde spielte er grottig, gegen Helena Neumann in der fünften Runde stand er pleite, zeigte aber seine typische Stärke im Leichtfigurenendspiel. Gegen Herbert Kruse verpatzte er ein gewonnenes Turmendspiel zum Remis. Trotzdem gelang ihm ein respektables Ergebnis. Hier ist Jonas‘ Gegnerliste:

Michael startete vom Setzlistenplatz 90 und katapultierte sich mit solidem Spiel – ohne Eselei – auf den 65. Platz – stark. Seine Eloperformance beträgt 1949.

Exemplarisch sein Sieg gegen Jasper Bohle vom LSV Lippstadt, dem er mit Schwarz im 20. Zug die Qualität abknöpfte. Im 44. Zug gab sein Gegner schließlich in dieser Stellung auf:

Hier ist Michaels Gegnerliste:

Von Stefan in der B-Gruppe habe ich leider nichts mitbekommen. Er startete von Platz 90 und beendete sein Turnier auf dem 97. Platz. Hier ist seine Gegnerliste:

Meine Tochter Lina spielte zum zweiten Mal beim Chess- and Culture-Turnier mit – inklusive Museums- und Stadtführung. „Sehr interessant“ , sagte sie, sei es gewesen.

Durch ein Spielfrei in der zweiten Runde erhielt sie ziemlich früh drei kampflose Punkte – das war Pech. Denn danach traf sie als wertungslose Spielerin ausschließlich auf Gegner jenseits der 1800 Elo – ein Unding. Spaß gemacht hat es ihr dennoch. Hier ist ihre Gegnerliste:

Die Turnierorganisatoren haben erstmals A- und B-Gruppe räumlich komplett getrennt. Nach ihrer Aussage wegen der hohen Teilnehmerzahl: Denn in A-,B- und Culture-Gruppe saßen vom 27. bis zum 30. Dezember knapp 250 Schachspieler an den Brettern. Hinzu kamen etwa 120 Kinder, die am Sonntag ihr Tagesturnier in fünf Altersklassen von der U8 bis zur U16 im Untergeschoss des Heinz-Nixdorf-Museums austrugen. Für den Ausrichterverein SK Blauer Springer Paderborn ein Rekord. Sie meisterten die Herausforderung nicht nur dank der idealen Spielbedingungen hervorragend.

Für den viel zu früh verstorbenen internationalen Schiedsrichter Dirk Husemann setzten sie Dr. Andreas Junk als Hauptschiedsrichter ein – einen promovierten Physiker. Der gab klare Anweisungen, tätigte einige Ansagen in fließendem Englisch und schien seine Rolle mit viel Leidenschaft auszufüllen. Mir gefiel er gut.

Allerdings fand ich seine Regel überzogen, die das Fotografieren auf die ersten 15 Minuten nach Rundenbeginn beschränkte. Bei professionellen Wettbewerben mag das sinnvoll sein, bei hobbyorientierten Schachturnieren ist es das nicht. Nie hätte ich gedacht, dass ich Dirks laute Ermahnung zur Ruhe einmal vermissen werde – „PSCHT“.

Zu seinem Gedenken klinke ich erneut das Video ein, in dem Dirk dem neunjährigen Ashwath Kaushik aus Singapur im Frühjahr dieses Jahres beim Schloss-Open das Züge-Ansagen gegen den blinden René Adiyaman erklärt:

Nebenbei bemerkt ist Kaushik mittlerweile Fidemeister (2306) und auf Platz sechs seiner Altersklasse der weltweiten Schachwunderkind-Liste (Prodigy) vorgestoßen:

Der Vollsständigkeit halber füge ich an dieser Stelle schließlich noch einen Screenshot ein der ersten zwanzig Plätze der A-Gruppe des Paderborner Schachtürkencups. Dass der Fidemeister Klaus Schmitzer vom SK Münster das Turnier gewann, war vermutlich für viele eine Überraschung, zumal er in der Vorschlussrunde gegen Maurin Möller verlor. Doch in der Schlussrunde zeigte er im Gegensatz zu seinen Konkurrenten Kampfgeist und gewann seine Partie.

Und zum Schluss der Link zur Paderborner Schachtürkencup-Seite: https://www.schachtuerken-cup.de/:

NRW-Klasse 4. Spieltag: SV Meschede – SK Werther 3,5:4,5

Meschede (ehu). Der Matchwinner ist Michael. Als Ersatzmann am achten Brett holte er den entscheidenden Sieg. In einem Endspiel mit verschiedenfarbigen Läufern war sein gedeckter Freibauer nicht zu stoppen.

Leszjek Trojan – Michael Henkemeier 0:1.
Michaels c-Bauer schreitet zur Dame, sein Gegner gibt auf.

So gewinnen wir zum dritten Mal in dieser Saison mit einem hauchdünnen 4,5:3,5-Vorsprung. Nur ein Sieg fehlt jetzt noch für den Klassenerhalt, denn acht Punkte sollten reichen. Das muss in den ausstehenden fünf Begegnungen doch wohl möglich sein. Hier sind die Einzelergebnisse des Kampfes:

Markus am dritten Brett produzierte eine vergnügliche Berg- und Talfahrt. Sie hätten würfeln können. Markus gewann.

Markus Henkemeier – Olaf Hollnack 1:0.

Hier ist seine Partie zum Nachspielen. Den Bewertungschart habe ich zur Ansicht darunter platziert.

Marko spielte gegen Bernhard Rittmeier, mit einer DWZ von 2208 der stärkste Spieler des SV Meschede. Nach 21 Zügen vereinbarten sie – in vorteilhafter Stellung für Marko – Remis.

Mario kam am fünften Brett gegen einen starken Gegner zu einem weiteren wichtigen Unentschieden.

Mario

Maltes Gegner am siebten Brett hielt die Stellung lange im Gleichgewicht. Doch am Ende knöpfte ihm unser Mann einen Bauern nach dem anderen ab. Mit drei Bauern im Minus gab Maltes Gegner auf und wir gingen in Führung.

Jonas lehnte am Spitzenbrett im 22. Zug ein Remisangebot seines Gegners ab und verlor später die Partie.

Hier ist seine Schlussstellung, in der er mit Weiß am Zug aufgibt.

Jonas Freiberger – Stefan Arndt 0:1.

Ich stand am vierten Brett im Endspiel klar auf Gewinn. Doch im 39. Zug unterlief mir ein Fehler, so dass ich mit Schwarz am Zug dem Dauerschach nicht mehr entkam. Hier ist meine Stellung im 39.Zug:

In obiger Stellung hätte ich Kd6 finden müssen. Ich aber zog Kd7 und die Computerbewertung sackt von -5,9 auf 0 zusammen Zuhause schlug ich mehrfach meine Stirn auf die Tischplatte wie ein pickendes Huhn. Jonas sagte, er hat sich für mich geschämt, als er sah, dass ich das nicht gewinne.

Florian am siebten Brett spielte gegen Bert Hollmann (DWZ 2105) und war der klare Underdog. Die Partie ging in die Verlängerung. Florian hielt mit Dame und Läufer lange stand gegen Dame und vier Bauern. Am Ende war seine Gegenwehr jedoch vergebens.

Durch den Mannschaftssieg kletterten wir auf den dritten Tabellenplatz:

Hier noch der Link zur Schachbundseite der NRW-Klasse I: https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=nrw-k1

Jonas Freiberger bezwingt Bundestrainer Jan Gustafsson

Jonas Freiberger am Live-Brett.
Jan Gustafsson – Jonas Freiberger 0:1. Im Screenshot zieht der Großmeister seinen Turm soeben ahnungslos nach a7 – bei ausreichend Bedenkzeit auch in einer Blitzpartie ein krasser Patzer.
Schwupps – Jonas‘ Springer hat Gustafssons weißen Turm geschluckt. Gustafsson nimmts mit Humor.

Werther (ehu). Der eine rangiert mit 2225 Elopunkten auf Platz 771 der nationalen Rangliste, der andere mit 2591 Elopunkten auf Platz 9. Doch am Ende sackt Jonas den Punkt ein. David besiegt Goliath.

Der Schach-Bundestrainer Jan Gustafsson aus Hamburg ist Großmeister, ehemaliger Nationalspieler und ausgewiesener Eröffnungsexperte. Einst zählte er zum Sekundantenteam des Weltmeisters Magnus Carlsen. Seit 2020 betreibt er einen eigenen Streaming-Kanal auf der Plattform Twitch: JanistanTV.

Auf dem Kanal streamte er jetzt live seine Vorrunden-Partien zur Deutschen Schach-Online-Blitzmeisterschaft. Das Turnier wurde vom Deutschen Schachbund organisiert und war für alle Schachspieler offen. In der 21. Begegnung des Blitzschachturniers traf Gustafsson auf einen der besten Spieler im Altkreis: Jonas Freiberger vom SK Werther.

Der spielte unter seinem Pseudonym Mettigel mit den schwarzen Steinen und erhielt für seinen kuriosen Spitznamen prompt ein Lob des Profis: „Ein guter Name“, sagte Gustafsson.“ Schon in der Eröffnung opferte der Wertheraner einen Bauern. Gustafsson reagierte gelassen, zeigte sich aber beeindruckt von der Geschwindigkeit seines Gegners: Freiberger knallte fast jede schwarze Antwort à tempo auf das virtuelle Brett. 

Trotzdem erkämpfte sich Gustafsson eine leicht bessere Stellung. Im 25. Zug aber unterlief ihm ein sehr seltener Fehler auf Großmeisterniveau: Er stellte mit ausreichend Bedenkzeit ohne Not einzügig seinen Turm ein – und gab sofort auf. Für Jonas Freiberger ein persönliches Highlight seiner Schachkarriere, für Gustafsson am Bildschirm ein Grund zum Lachen.

Am Ende des Vorrundenturniers landete Jonas Freiberger dennoch nur auf Rang 48 von knapp 450 Teilnehmern. Damit verpasste er die Qualifikation zur Endrunde, die nur für die ersten 20 Plätze freigeschaltet wurde. Anders Gustafsson: Der gewann die Vorrunde und beendete die Endrunde letztlich leicht enttäuscht auf Platz acht.

Hier der Link zum Twitch-Kanal von Jan Gustafsson: https://www.twitch.tv/janistantv

NRW-Klasse, 3. Spieltag: SK Werther- SV Waltrop 4,5:3,5

Werther (ehu). Das war ’ne knappe Kiste. Genau wie wir trat auch der SV Waltrop in Bestbesetzung an. Mit recht viel Glück gewannen wir die Begegnung. Der Verlierer dümpelt nun bis auf Weiteres im Tabellenkeller herum.

Hier sind die Einzelergebnisse:

Es stand 3,5:2,5 für uns als ich am fünften Brett nach vier Stunden Spielzeit den Siegtreffer erzielte. Jonas meinte anschließend zu mir, dass ich den Kampf für uns gerettet habe.

Weiß grübelt und zieht gleich seinen g-Bauern vor. Ich reagiere mit einem schweren Fehler: Statt den Bauern mit meinem König aufzuhalten, nehme ich für die Aufgabe den Läufer (b5 und Lc4), was die Bewertung von -5,9 auf -0,1 absacken lässt. Mein Gegner jedoch verpasst die Chance zum Remis (Kc3!). Foto: Jonas Freiberger.

Ich frohlockte. So sieht meine Schlussstellung mit den schwarzen Klötzchen aus, in der mein Gegner Dogukan Atalik (DWZ 2005) aufgab, denn mein König rückt nun unaufhaltsam dem weißen Springer auf den Pelz:

Markus am vierten Brett erspielte sich ein großes Übergewicht am Königsflügel, das schließlich in einen hübschen Mattangriff mündete:

Markus Henkemeier – Andreas Winterberg 1:0.

In der Schlussstellung hätte unser Präsident den schwarzen König auf h6 in drei einfachen Zügen mattgesetzt, das jedoch ließ sich der Waltroper nicht mehr zeigen:

Weiß setzt den schwarzen König forciert matt.

Stark spielte Florian bei seinem Saisondebüt am siebten Brett. Leider werde ich aus dem Partieformular nicht schlau, so dass ich kein Stellungsbild zeigen kann. Zumindest gibt’s ein Foto:

Dr. Rolf Breidenbach – Florian Schwartz 0:1

Einen weiteren wichtigen Sieg steuerte Jonas bei. Allerdings recht unverdient, wie ich finde: Sein Gegner verlor in besserer Stellung auf Zeit.

Im Grillrestaurant Özcan redet Jonas seine eher mäßige Partie in der Analyse schön.

Marko spielte Remis. Angesichts des knappen Erfolges war das Gold wert:

Jörn Gasper – Marko Suchland 0,5:0,5.

Die dramatischste Niederlage des Tages kassierte Jan am zweiten Brett. Er spielte – wie so häufig – als Letzter. Minutenlang hing er in einem remislichen Dame-und-Leichtfigur-Endspiel am seidenen Inkrement-Faden. Einmal sah ich, wie er seine Zeit bis auf eine Sekunde ablaufen ließ und mein Leben damit deutlich verkürzte. Am Ende verlor er durch eine profane Bauerngabel:

Jan Haskenhoff – Atilla Öztekin 0:1.
Mario Ortpaul – Martin Drewes 0:1. Im Foto greift der schwarze Bauer b4 soeben Marios Springer an und zwingt unseren Mann ins Verderben.
Malte Prochnow – Jan Meier 0:1. Malte opfert die Dame für Turm und Springer des Gegners.

So sah Maltes Schlussstellung mit Weiß aus. Nach dem schwarzen Damenschach ist sein Ofen aus.

Nach dem Pflichtsieg sind wir auf den dritten Platz vorgerückt. Doch die schweren Gegner kommen erst noch:

Laut Liga-Orakel werden wir mit 19,1 Prozent Wahrscheinlichkeit am Saisonende Siebter sein. Unsere Abstiegswahrscheinlichkeit hat durch den Sieg gegen Waltrop um mehr als zehn Prozent abgenommen. Sie liegt mit 32,3 Prozent aber weiterhin auf einem sorgenvollen Level:

Und hier der Link zum Ergebnisdienst der NRW-Klasse 1: https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=nrw-k1.

NRW-Klasse 2. Spieltag: SV Königsspringer Hamm – SK Werther 5:3

Hamm (ehu). Es rumst. Eine Druckwelle bringt die Einfachverglasung des Spielsaals zum Klirren. Wir blicken erschrocken – die heimischen Spieler lächeln.

Der 282 Meter hohe Turm am RWE Gersteinwerk wurde soeben gesprengt, während wir nur zweieinhalb Kilometer Luftlinie entfernt Schach spielen. Hier ein Link zum Sprengvideo: https://www.youtube.com/watch?v=fr7rg3__DOE

Eigentlich hätte die Sprengung genau um 11 Uhr morgens erfolgen sollen. Doch kracht der Turm erst eine halbe Stunde später zu Boden. Das Ereignis müsse ich unbedingt als Wortspiel einbauen in meinen Beitrag zum Kampf, raten mir meine Mannschaftskameraden.

Ich finde das ein wenig naiv – aber gut: Kaum eine halbe Stunde nach dem Klirren der Scheiben sprenge ich mit meinem Turm die schwarze Verteidigung des Fidemeisters Manuel Dargel.

Ungeduscht und abgeranzt sitze ich da und spiele eine Glanzpartie: Ekkehard Hufendiek – FM Manuel Dargel 1:0. Nach meinem Turmeinschlag auf d6 hat Schwarz soeben Lh3 gezogen. Ich spiegele mit La3 und gewinne im Hurrastil. Foto: Mesud Mujanovic.

So produziere ich mit Weiß einen Kracher, ein Hammerstück, eine wilde Glanzpartie – zumindest für meinen Maßstab. Das Einstiegsopfer auf e6 ist leider inkorrekt, doch opfere ich eher aus dem Bauch heraus – à la Michael Tal, da ich in der Nacht zuvor kaum geschlafen hatte. Die Notation des Prunkstücks stopfe ich abends glückselig in mein Kopfkissen. Hier ist sie in voller Pracht:

In der Schlussstellung lässt sich Manuel Dargel den Turmgewinn nicht mehr zeigen. Egal wohin der König ausweicht, entweder ich erobere mit Schach seinen Turm auf c1 oder auf h8:

Mit meinem vollen Punkt am dritten Brett war nicht zu rechnen. Denn ersatzgeschwächt traten wir an ohne unsere drei Stammspieler Marko Suchland (Brett 3), Markus Henkemeier (Brett 4) und Florian Schwartz (Brett 7). Während die Gastgeber in Bestbesetzung an den Brettern saßen.

Doch auch Jonas spielte glanzvoll, allerdings erst in einem total ausgeglichenen und scheinbar harmlosen Leichtfigurenendspiel. Nachdem sein Gegner im Mittelspiel eine Zugwiederholung verschmähte, nahm der Mann aus Hamm die Partie später vermutlich auf die leichte Schulter:

Jonas Schlussstellung ist typisch für unseren Spitzenspieler. Dem Schachgebot entkommt der schwarze König nur unter Materialverlust – sollte er nach e6 ausweichen, könnte zum Beispiel Sc7+, Kd6 und Sb5+ mit Läuferverlust folgen. So geht also zwangsläufig entweder der Bauer auf f6 oder e5 verloren – Schwarz gab auf. Mit dem Springer in der Hand ist Jonas eine Macht:

Wir führten zwischenzeitlich 2:1 und kamen einer Überaschung ziemlich nah. Denn an Brett 5 und 7 erkämpften Malte und Joshua gegen starke Gegner eine Punkteteilung. Kläglich jedoch gingen wir an den geraden Brettern 2,4,6 und 8 baden.

Jürgen Happel – Volker Meise 1:0; dahinter Joshua Schramm – Alexander Maaß 0,5:0,5.
Joshua (v.l.), Mesud und Malte analysieren Mesuds Niederlage mit den schwarzen Steinen. Sie lächeln, weil Mesud kurioserweise konsequent vermied, seine Schwerfiguren ins Spiel zu bringen – Turmallergie.
Dr. Ingo Schmidt (2066) – Mario Ortpaul (1981) 1:0. Unserem Mann ging die Dame flöten.

Der Gastgeber führte schließlich 4:3 als Jan am zweiten Brett seine Gegenwehr einstellte. Sein Remisangebot in Verluststellung bezeichnete er selbst als „frech“. Das anmaßende Angebot lehnte sein Gegner lächelnd ab.

Jan steht hinten drin und wehrt sich mit Schwarz vergeblich.

Hier die Einzelergebnisse:

Die Tabelle ist kaum aussagekräftig. Denn zwei Mannschaftkämpfe des zweiten Spieltags wurden in den November verlegt. Ich zeige sie trotzdem:

Die Einschätzung des Liga-Orakels wirkt bedrohlich – die Abstiegswahrscheinlichkeit beträgt nach unserer Pleite gegen Hamm jetzt 43,6 Prozent. Sie ist damit so hoch wie nie.

Und zum Abschluss der Link zur Schachbund-Seite der NRW-Klasse I: https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=nrw-k1

Ilja Schneider gewinnt den Paul-Sahrhage-Pokal

Werther (ehu). Ilja Schneider trägt den zweithöchsten Titel der Weltschachorganisation Fide: Internationaler Meister. Die aktuelle Elozahl des 40-Jährigen liegt bei 2421 Punkten, womit er zurzeit auf Platz 94 der besten Schachspieler in Deutschland rangiert. Als topgesetzter Titelträger blieb er als Einziger im Feld der 64 Teilnehmer ungeschlagen.

Der Abstand zum Setzlistenzweiten, Jasper Holtel vom Schachklub Doppelbauer Kiel, betrug mehr als 50 Elopunkte. Somit ging Schneider als hoher Favorit ins Turnier ( Zumindest für die Zeitung und damit für schachliche Laien habe ich das einfach mal so eingeordnet).

Das Aufeinandertreffen der Topgesetzten in der fünften Runde entschied Schneider für sich. Und zwar nachdem er laut eigener Angabe die schönste Kombination seiner neun Partien gespielt hatte. Das Diagramm unten zeigt einen Auszug der Kombination, bei der Schneider zu einer zweifachen Springergabel kam.

Die erste Gabel ist im Diagramm zu sehen. Nach der schwarzen Antwort Ld8 mit einer scheinbaren Fessel des weißen Springers schlägt der Gaul trotzdem den Turm auf c8. Bedient sich der schwarze Läufer nun in einer Beispielvariante am weißen Turm auf a5, hüpft der Springer weiter nach d6 zur zweiten Gabel – Schwarz verliert Material:

Das Foto unten zeigt den Schluss der Partie – Holtel greift zwar noch zu seinem König, gibt aber im nächsten Moment auf:

Das vorentscheidende Spitzenduell in der fünften Runde zwischen FM Jasper Holtel (l.) und IM Ilja Schneider entscheidet Schneider mit zwei Mehrbauern für sich.

Gespielt wurden neun Partien mit zehnminütiger Bedenkzeit plus fünf Sekunden Zeitgutschrift pro Zug.

Auftakt zur Schlussrunde: CM Maurice Gulatz und IM Ilja Schneider trennen sich trotz leichtem schwarzen Vorteil in der Schlussstellung friedlich.

Am Ende sicherte sich Ilja Schneider – von Beginn an in Führung liegend – mit 7,5 Punkten souverän den ersten Platz und ein Preisgeld in Höhe von 250 Euro sowie den Paul-Sahrhage-Pokal. Mit dem Pokal erinnert der SK Werther an das hohe Engagement seines verstorbenen Ehrenmitglieds.

Ilja Schneider lebt mit seiner Familie in Hannover, wo er nach eigener Angabe als Heimleiter für Geflohene arbeitet. Er spielt für die Schachfreunde Berlin in der Bundesliga. 2015 und 2018 erkämpfte er sich den Titel Deutscher Meister im Blitzschach.

Im klassischen Schach erspielte er sich bislang zwei Großmeisternormen. Nur eine Norm fehlt ihm, um den höchsten Titel der Fide „Großmeister“ zu erhalten. „Ich bin kein Profi, ich spiele nur sehr viel Schach“, sagt er über seine Ambitionen.

Sein Wikipedia-Eintrag zitiert ein bemerkenswertes Superlativ: „bester Kaffeehausspieler Deutschlands“. Die Quelle des Zitats indes bleibt ungenannt. Gemeint ist Schneiders mutiger und unorthodoxer Spielstil, bei dem er auch vor Figurenopfern nicht zurückschreckt.

Aus Sicht seiner Gegner auf Amateurniveau eine durchaus angsteinflößende Charakterisierung. Doch trat Ilja Schneider beim Schnellschachturnier in Werther eher solide und ökonomisch auf. Keinmal geriet er in Zeitnot, dreimal vereinbarte er ein Unentschieden. In der sechsten Runde willigte er dabei sogar trotz Gewinnstellung in eine frühe Zugwiederholung ein.

Den voreiligen Friedensschluss bereute er jedoch. Erst in der Analyse ging ihm ein Licht auf und er schlug sich die Hand vor die Stirn: „Da habe ich einen halben Punkt liegengelassen.“ Mit einem simplen Bauernvorstoß nach g6 hätte Schneider die gegnerische Dame oder den gegnerischen Springer erobert.

Nutznießer von Schneiders voreiliger Friedfertigkeit war Jonas Freiberger. Der Spitzenspieler des SK Werther lachte über das beidseitige Missachten des niedlichen Bauernvorstoßes und nannte das Ende einen schachlichen „Witz“. Die folgende Analysestellung auf dem Handy zeigt die Gewinnstellung nach dem verpassten Schlusszug g6 an. Der Rechner taxiert den Vorteil auf sieben Bauerneinheiten (auch das angezeigte Springeropfer auf g6 bringt nichts ein):

In der Cafeteria schauen sich Ilja Schnieder und Jonas Freiberger die Stellung auf dem Handy an – und lachen darüber.

Dank dem Eröffnungswitz ergatterte Jonas letztlich hinter dem punktgleichen Zweitplatzierten Ilija Jonas Kettler von der SG Bünde den dritten Platz. Dabei konterte er in der Schlussrunde überzeugend den Mitfavoriten Jasper Holtel aus, der am Ende recht unglücklich nur Achter wurde. Im Video ist ein kleiner Teil der Schlusssequenz zu sehen bis kurz vor der Aufgabe Holtels:

Die drei Erstplatzierten haben jeder 7,5 Punkte aus neun Partien erspielt. Hier ist das Treppchenbild:

Jonas, Ilja mit Pokal und Illija
Jonas Freiberger (v.l., 3. Platz), Ilja Schneider (1.) und Ilija Jonas Kettler (2.).
Das Foto zeigt die 14 Preisgeldgewinner. Zehn Ratingpreisgruppen hat unser Kassierer Michael Henkemeier ausgeschrieben – Goldesel.
Die ersten zwanzig Plätze im Überblick

Die stärkste Leistung im Übertreffen des Erwartungswertes zeigte sicher Kirsten Bünte:

Aaron Vesszö – Kirsten Bünte 0:1

Die Spielerin des Rhedaer Schachvereins und Zweite Jugendwartin im Schachbezirk Bielefeld trat mit einer DWZ von 1782 an und holte sage und schreibe sieben Punkte – sie wurde am Ende Fünfte. Dabei verlor sie nur gegen die Topgesetzten Jasper Holtel und Ilja Schneider. Nach der Partie gegen den späteren Sieger hörte ich sie sagen „keine Chance“, dabei erschien mir die Stellung zumindest zwischenzeitlich im Endspiel ausgeglichen zu sein. Erst eine Springergabel des Meisters setzte der Partie ein abruptes Ende.

Die Vereinsspieler des SK Werther schnitten ebenfalls gut ab: Anton Weßling holte 5,5 Punkte, stürmte damit vom Setzlistenplatz 44 auf Platz 17 vor und ergatterte einen Ratingpreis;

Anton Weßling (1244) remisiert gegen Nico Benjamin Glatt (1837).

Mesud Mujanovic landete mit 5 Punkten auf Platz 22:

In der siebten Runde verdirbt Mesud Mujanovic eine Remisstellung gegen Matthias Ott und verliert schließlich auf Zeit.

Ebenfalls fünf Punkte holte Felix Linnenbrügger auf Platz 27:

Felix Linnenbrügger

Einen halben Punkt dahinter folgte Kevin Deniz auf Rang 31; punktgleich vor Joshua Ruschhaupt, der das Turnier auf Rang 37 abschloss; und Insa Marie Schwittay beendete das Turnier mit 4 Punkten auf Rang 43. 

Hier in loser Reihenfolge ein paar Fotos und Videos. Das zweite Video zeigt Stephan Kanditt, der einst als Jugendtrainer unseren Verein geprägt hat und unter anderem das Schloß-Open initiierte, bis er vor mehr als zwanzig Jahren den Verein für immer verließ.

Maurice Gulatz (l.) besiegt Herbert Kruse.
Thomas Platz (l., 2106) und Maurice Gulatz (2226) teilen den Punkt nach wechselndem Verlauf.
Kampf an den unteren Brettern.
Dem Anschein nach der jüngste Teilnehmer.
Laut Michael der älteste Teilnehmer des Turniers (Jahrgang 1938).
Lotta Sophie Kowalzik vom Schachklub Turm Lage.
Lokalmatador Jonas Freiberger (r.) gewinnt mit den weißen Steinen gegen Thomas Platz vom SV Ennigerloh-Oelde.
Carsten Döring vom Bielefelder SK holt sechs Punkte und wird 14.
Beicen Dong von der Schachakademie Paderborn im Spiel gegen Stephan Kanditt vom SV Hilden.
Die Partie endet in der Punkteteilung.
Michael hat sein Schiedsrichterdasein mit großem Ernst und beeindruckender Disziplin betrieben. Währenddessen spielte ich mit dem Gedanken ein paar Klingeltöne auf meinem Handy zu testen.
Joshua Ruschhaupt lässt sich vom Klicken der Kamera ablenken. Kein Wunder, dass er gegen Lotta Sophie Kowalzik am Ende das Nachsehen hat.
Insa Marie Schwittay vom SK Werther besiegt den vereins- und DWZ-losen Luis Maeser.
Insa spielt remis gegen Thomas Bergmann.
FM Jasper Holtel (Elo 2357)bezwingt mit Weiß den Nachwuchsspieler des Bielefelder SK Adam Popkiewicz (Elo 1758)
Stephan Peters (l.) vom Brackweder Schachklub besiegt Mattis Wagner vom Schachkub Turm Lage.
Peters ist wohl der wichtigste Motor des Jugendschachs in Brackwede.
Joshua Ruschhaupt (l.) erreicht an Brett 20 mit Schwarz ein Remis gegen Professor Andreas Bünte.
Auslosung zur nächsten Runde.

Hier der Link zum Endstand nach neun Runden auf chess-results: https://s2.chess-results.com/tnr1238423.aspx?lan=0&art=1&fed=GER&turdet=YES&SNode=S0

NRW-Klasse 1. Spieltag: SK Werther – Bielefelder SK II 4,5:3,5

Werther (ehu). Puh, das war knapp. Um ein Haar entschieden wir das Lokalderby in der NRW-Klasse für uns – gegen den Aufsteiger Bielefelder SK II. Der Saisonauftakt hätte für uns glücklicher kaum ausgehen können. Nur noch dreimal ähnlich viel Glück in den verbliebenen acht Mannschaftskämpfen und wir halten die Klasse.

Matchwinner waren Jan (siehe oben) und Markus (siehe unten). Jan spielte mit Weiß gegen Florian Paneff herausragend gut. Er produzierte in 58 Zügen nur eine Ungenauigkeit und erreichte eine 97-prozentige Genauigkeit – Wow. Hier ist zum Beweis die Analyse der Lichess-Engine und das Schlussdiagramm:

Jan Haskenhoff hat soeben seinen c-Bauern umgewandelt. Florian Paneff gibt auf.

Markus spielte am vierten Brett gegen Rainer Schnitker ähnlich stark:

Sein Vorteilsverlauf in Ansicht mutet wie das Profil einer Bergankunft am Mont Ventoux an und spricht für sich:

Hier ist seine Schlussstellung, in der er soeben Da4 gezogen hat und in der der Computer den weißen Vorteil auf knapp sechs Bauerneinheiten taxiert:

Angesichts aber der Partieverläufe an den Brettern eins und fünf haben wir wirklich Schwein gehabt: Jonas stand am Spitzenbrett gegen Giovanni Paolo Sepe total auf Verlust. Ebenso aussichtslos ritt ich am fünften Brett nach Turmverlust gegen Windmühlenflügel.

Warum haben wir überhaupt weitergespielt? Jonas zumindest hatte klitzkleine Remischancen wegen eines entblößten Königs und der Zeitnot seines Gegners. Ich hingegen zuckte die Züge eigentlich nur noch wie ein Automat aufs Brett. Doch siehe da: Wir beide ergatterten jeweils einen halben Punkt.

Im Foto unten erläutert Jonas nach dem Kampf die aus seiner Sicht glückliche Schlusssequenz.

Jonas erläutert, wie er recht glücklich zum Remis kam. Im 66. Zug entgeht Weiß ein Abtausch der Damen (Matt in 18 Zügen zeigt er für Weiß an. Im 73, Zug patzt Weß zu, letzten Mal.

Zwischenzeitlich stand er sogar auf Matt. Und zwar in folgender Stellung nach dem 65. Zug: Jonas hat mit Schwarz soeben Sg3 gezogen. Jetzt gewinnen die weißen Damentauschmanöver Dd3 oder Df7+ locker. Weiß jedoch opfert in Zeitnot den Turm für den Springer und erschwert sich deutlich den Gewinn.

Mein Gegner, Marcus Römhild am fünften Brett, war untröstlich: „Wie kann man das denn nicht gewinnen?“, haderte er. Ich fand keine Antwort.

Zu diesem Zeitpunkt ist die Stellung ausgeglichen, zwei Züge später stehe ich völlig pleite.

Aus meiner Sicht verlief die Partie extrem drollig. Schon mit meinem 13. Zug gab ich ungewollt meine Dame preis. Die Gelegenheit versäumte mein Gegner, wie er später einräumte. Im 23. Zug schnappte ich über und opferte einen Turm – ohne mich auf die Folgen zu konzentrieren. Ich beabsichtigte, den Turm mit Hilfe einer Fessel zurückzuerobern.

Doch nach der schlichten weißen Parade im 26. Zug Dg2! stand ich mit Schwarz völlig breit und ich flüsterte ein leises „Uuups“ in mich hinein. Ich wollte aufgeben, spielte aber wie ein Automat zunächst ein paar schnelle Züge weiter – motiviert durch meine zwei zuschauenden Töchter.

Im 35. Zug überraschte mich Marcus Römhild mit einem krassen Fehler, der den weißen Vorteil zum Remis verpatzt. Hier ist die lustige Patzerpartie zum Nachspielen:

Ungefährdet steuerten Mario, Malte und Mesud drei wichtige Unentschieden zum Mannschaftserfolg bei.

Nur Marko zog den Kürzeren, obwohl er lange ausgeglichen stand. Sein Gegner, Carsten Döring, spielte stark:

Hier der Blick auf die Einzelergebnisse des Kampfes und der Link zur Ergebnisdienst-Seite des Schachbundes:

https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=nrw-k1

Michael und Insa triumphieren beim Turm-Open in Lippstadt

Lippstadt (ehu). Bei der Siegerehrung grollte Michael:

Denn er erwartete den Seniorenpreis, wurde jedoch fälschlicherweise nicht aufgerufen. Im Flick-Flack wäre ich an seiner Stelle auf die Bühne gestürmt und hätte dem Turnierleiter und Vizepräsidenten des Schachbundes in Nordrhein-Westfalen, Olaf Winterwerb, „HALT!“ zugerufen. Denn der hatte zu unserem Unmut Alexander Okrajek bepreist. Obwohl Okrajek nur den 11. Platz erreicht hatte, während Michael Siebter wurde. Michael aber übte Besonnenheit : „Lass uns das im Anschluss regeln“, sagte er zu mir.

Michael (l.), Insa und Stefan rekapitulieren am Brett Michaels Sieg aus der Schlussrunde.

Jedenfalls schloss unser Kassierer das siebenrundige Turnier des LSV Lippstadt vom 19. bis 22. Juni 2025 mit dem wohl besten Ergebnis seiner Amateurlaufbahn ab: Er holte fünf Punkte aus sieben Partien und ließ dabei fünf Titelträger hinter sich:

Michaels Siebter Platz blieb von der Turnierleitung zunächst unbemerkt.

75 Euro und 50 DWZ-Punkte sahnte er ab, falls er die Knete irgendwann noch bekommen sollte. Das Filmchen unten zeigt ein Beispiel seiner Siegesserie: den letzten Zug mit Schwarz gegen Fotios Milonas in der vierten Runde: Michael stand nach eigener Aussage zunächst total pleite, warf verzweifelt einen Bauern nach vorne, den Milonas sträflich vernachlässigte und wandelte ihn am Ende in eine zweite Dame um – Milonas gab auf.

Insa spielte ebenfalls ein sehr starkes Turnier: Sie war in der B-Gruppe an Platz 44. gesetzt und übertraf die Erwartungen bei Weitem: Am Ende landete sie mit 4,5 Punkten auf Platz 13. So zählte sie ebenfalls zu den Preisgeldempfängerinnen:

Insa freut sich in der vierten Runde sichtlich über ihren vermeintlichen Gewinnzug in der Partie gegen Dr. Axel Bergsträßer vom Gütersloher SV, der mehr als 150 DWZ-Punkte stärker eingeschätzt war. Doch das Schachgebot pariert ihr Gegner mit einem unerwarteten Läuferrückzug und die Partie endet friedlich in einem Unentschieden.

Stefan Bauer spielte in der C-Gruppe – ziemlich erfolgreich. 3,5 holte der Professor und landete am Ende auf Rang 19 und freute sich über einen Gewinn von knapp 30 DWZ-Punkten.

Ich schloss in der A-Gruppe das Turnier mit 3,5 Punkten auf dem 36. Platz von 66 Teilnehmern ab, an 35. war ich gesetzt – fast ne Punktlandung. Das ist kaum eine Erwähnung wert.

In der ersten Runde aber hätte ich berühmt werden können, da meine Partie am zweiten Brett gegen FM Alex Browning übertragen wurde. Doch statt meines Namens wiesen die Veranstalter Stephan Wegner als Brownings Gegner aus – das war in Wahrheit ich. Keine Ahnung wie der Namenstausch zustande kam. Die Übertragung funktionierte nicht so, wie sie sollte. Außerdem verlor ich völlig chancenlos, zum Glück unter meinem neuen Decknamen Wegner.

Weil ich mit der neuen WordPress-Oberfläche noch nicht klarkomme, endet der Bericht hier. Immerhin aber, bietet das neue Arbeitsprogramm die komfortable Möglichkeit, eine komplette PGN-Partie einzukopieren, so dass sie nachspielbar ist. Hier nun also Stephan Wegner (in Wahrheit Ekkehard Hufendiek) gegen FM Alex Browning. Leider beim ersten Mal noch ohne Bewertung. Ich verliere mit Weiß: