NRW-Klasse 7. Spieltag: SK Werther – SC Hansa Dortmund 5:3

Werther (ehu). Klassenerhalt! Mit einem souveränen 5:3-Sieg haben wir den SC Hansa Dortmund zurück ins Ruhrgebiet geschickt. Zwei Spieltage vor dem Ende sichern wir uns damit für ein weiteres Jahr das Spielrecht in der NRW-Klasse – Saisonziel erreicht. Hier die Einzelergebnisse:

Beeindruckend ist der Sieg von Jonas an Brett 1 gegen den Internationalen Meister Vyacheslav Klyuner. Der ist mit einer Elozahl von 2427 der nominell stärkste Spieler der Liga. Nach mutiger Eröffnungswahl hat unser Spitzenspieler den IM gut im Griff.

Handschlag zum Partiestart. IM Vyacheslav Klyuner – Jonas Freiberger 0:1.

Jonas beginnt grandios, bietet einen Bauern preis und überspielt den IM schon in der Eröffnung. Nach dem zwölften weißen Zug beträgt der schwarze Vorteil mehr als drei Bauerneinheiten – Jonas steht auf Gewinn.

Dann aber lässt er Luft in die Stellung und Klyuner bekommt Gegenspiel. „Das ist der Grund, warum ich kein Meister bin“, sagt Jonas später in der Analyse im Restaurant Outside.

Das Ende der Partie ist absurd und raubt dem Spiel den Schauwert: Denn der IM patzt ohne Not einzügig seinen Springer ein. Obwohl Mittelteil und Ende der Partie unbefriedigend sind, füge ich die Notation zum Nachspielen an. Denn schließlich ist es laut Jonas sein erster Sieg mit Schwarz gegen einen Spieler dieser Klasse:

Nicht mehr als zwei Ungenauigkeiten des Schwarzspielers zeigt der Partiechart an:

An Brett 2 gerät Jans König im Schachhagel der schwarzen Dame unter die Räder.

Jan Haskenhoff – Jannik Sundorf (2171) 0:1.

In der Eröffnung agieren beide Kontrahenten umsichtig und halten den Laden zusammen. Erst Jans Bauernraub im 19. Zug schaufelt am eigenen Grab. Drei Züge später hebt er sein Grab noch tiefer aus, als er den groben Fehler f4 aufs Brett hackt.

Jans entblößter König wirft sich dadurch ungewollt der gegnerischen Dame zum Fraß vor. Die Dame reiht Schachgebot an Schachgebot und treibt den König vor sich her. Einen Zug vor dem Matt gibt Jan auf. Hier ist seine Schlussstellung und sein Partieverlauf:

Marko an Brett 3 bietet nach nur 20 Zügen Remis an. Der Partie mangelt es augenscheinlich an Höhepunkten.

Marko Suchland.

Die Schlussstellung ist total ausgeglichen. Ich hätte trotzdem weitergespielt:

Sein Chart ist an Armut kaum zu überbieten:

An Brett 4 führt Markus die weißen Steine.

Markus Henkemeier.

Nach einer wilden Berg- und Talfahrt trägt sein Partiechart im Schlussdrittel Zacken wie ein Hahnenkamm. Neun grobe Patzer in vierzig Zügen sind rekordverdächtig- drei auf der einen, sechs auf der anderen Seite. Das verleiht dem Stück einen drolligen Seltenheitswert. Das Nachspielen lohnt sich vor allem ab Zug 22.:

An Brett 5 habe ich die Nase voll von den schwarzen Steinen: In sechs von sieben Partien der Saison musste ich die Aufschläge meiner Gegner returnieren.

Immerhin aber gelingt mir das so gut wie selten. Mein einziges elementares Lebensziel – Elo und DWZ Ü-2000 – rückt wieder in greifbare Nähe. Dann höre ich endlich auf mit der Klötzchenschieberei und kann glücklich sterben.

Simon Krüger (1950) – Ekkehard Hufendiek 0:1. Foto: Mario Ortpaul

Hier meine Schlussstellung in der Weiß das Matt in zwei Zügen (Tg2+ gefolgt von Sg3) nur unter sinnlosen Opfern abwehren kann. Stattdessen gibt mein Gegner auf und so meißele ich das 5:3-Endergebnis und den Klassenerhalt um zirka 15.15 Uhr in Stein:

Simon Krüger – Ekkehard Hufendiek 0:1.

Mein Partiechart:

Zuvor hat Mario an Brett 6 eine hübsche Königsjagd entfesselt. In der Schlussstellung droht er mit den weißen Steinen Matt auf c7. Das kann nur mit einem Springer-, Turm- oder Damenopfer abgewehrt werden.

Mario Ortpaul – Yi Lin (1933) 1:0.

Marios Schlussstellung:

Marios Partiechart:

Malte an Brett 7 erarbeitet sich mühsam einen gewinnverheißenden Vorteil.

Lars Schäpers – Malte Prochnow 0,5:0,5.

Dank seinem entfernten Freibauern auf der a-Linie erreicht sein Vorteil drei Bauerneinheiten. Doch stellt Malte den Bauern in einem Moment der Unachtsamkeit ein und die Partie endet in der Punkteteilung. Das Diagramm zeigt den Unglücksmoment Tb3. Jetzt geht der a-Bauer nach der weißen Antwort Ta1 flöten:

Maltes Partiechart:

Fahrlässig hat unser Ersatzmann Felix Linnenbrügger im Diagramm unten an Brett 8 seinen g-Bauern vorgezogen.

Felix Linnenbrügger – Georg Wolffgang (1948) 0:1.

Der Computer stöhnt: Felix‘ komfortabler Vorteil schlittert ins deutliche Minus. Denn der Schaden vor dem eigenen Königshaus ist irreparabel. Der blassgrüne Pfeil im Diagramm zeigt eine druckvolle Alternative für Weiß an – Db3. Von dort nimmt die Dame per Röntgenblick den Schwachpunkt e6 ins Visier, – das wärs gewesen:

In der Tabelle sind wir auf den vierten Platz geklettert und befinden uns in der Komfortzone.

Das Ligaorakel hat die Wahrscheinlichkeit für unseren Verbleib in der NRW-Klasse auf satte 99 Prozent hochgestuft:

Zum Schluss der Link zur Schachbundseite der NRW-Klasse 1: https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=nrw-k1

II. verliert gegen Rheda II

Beim Spitzenspiel der Verbandsklasse am 08.02. lief es eher weniger gut.

Überzeugende Siege lieferten nur Felix Linnenbrügger, der seinen Gegner am Ende souverän ins Aus kombinierte und Insa Schwittay, die nach sicherem Spiel eine Unachtsamkeit des Gegners ausnutzte und mit Mehrfigur ins gewonnene Endpsiel gehen konnte.

Michael Henkemeier geriet einen Bauern in Nachteil und konnte sich am Ende nur ins Remis retten, weil seine Gegnerin nicht genug Druck ausübte.

Und damit war es das auch schon mit den Erfreulichkeiten. Joshua Ruschhaupt konnte den Angriff seiner Gegnerin nicht parieren und verlor recht früh. Umgekehrt trat Ilya Zolotykh einen furiosen Königsangriff los, der am Ende aber im Nirwana stecken blieb. Das optimistisch geopferte Material kostete ihn am Ende den vollen Punkt.

Leon Drees geriet ebenfalls mächtig unter Druck und musste trotz zwischenzeitlicher Erholung am Ende den Punkt abliefern.

Volker Meise verlor in Zeitnot und lediglich Reinhard Geisler kämpfte noch mit letzten Tricks gegen die Übermacht des Gegners, der ihm schon vorher eine Figur wegkombiniert hatte – letztlich ging er einzügig ins Mattnetz, aber da war der Kampf eh schon verloren.

https://www.ergebnisdienst.net/2025_2026/abfrage.php?liga=64_32

NRW-Klasse 6. Spieltag: SK Münster II – SK Werther 5:3

Werther (ehu). Marko gebührt am dritten Brett der Schönheitspreis des Tages. Hübsch opferte er im Endspiel seine Dame. So ebnete er im Duell mit Aaron Kamp (DWZ 2081) seinem weit vorgerückten h-Bauern den Weg zur Umwandlung. Das einminütige Video hält das finale Damenopfer fest, wonach sein Gegner sofort aufgibt:

Marko am dritten Brett.

Markos Schlussstellung ist ein Diagramm wert:

Ein paar Züge zuvor zieht Marko im Foto Dg7 und bietet damit erstmals seine Dame preis. Doch die darf Schwarz nicht nehmen.

Markos Chart zeigt, dass der Weg zum weißen Sieg alles andere als trivial war:

Zum Nachspielen ist seine Partie angefügt. Im Endspiel unterläuft ihm im 67. Zug ein Fehler, der die Stellungsbewertung kurzfristig von 3,55 Plus auf 0,06 herabrauschen lässt. Doch wer hätte in der Stellung nicht ebenfalls f5 gezogen?

Ich saß neben ihm und agierte ziemlich kopflos. Naiv opferte ich am vierten Brett in der Eröffnung Springer und Läufer für Turm und Bauer.

Mein Gegner stand danach klar auf Gewinn und verbesserte Zug um Zug seine Stellung. Nach 54 Zügen gab ich endlich auf. Ich fragte nach einer gemeinsamen Analyse und ging in den Analyseraum. Doch mein Gegner kam nicht. Vielleicht war ihm die Partie zu einseitig oder er ist einfach unhöflich – keine Ahnung. So analysierte ich das Trauerspiel erst alleine und dann kurz mit Jonas.

Das ist meine Schlussstellung mit den schwarzen Steinen. Mein Gegner spielte mit 99 Prozent Genauigkeit ziemlich gut – ich hab’s ihm sehr leicht gemacht:

Doch nicht allein meinetwegen verloren wir den Kampf. Ersatzgeschwächt waren unsere Chancen ohnehin gering. Denn Markus und Florian sagten ab.

Kurz vor dem Start des Kampfes.

Zu unserer Überraschung trat die zweite Mannschaft des SK Münster ebenfalls deutlich schwächer als üblich an die Bretter. Davon gespürt haben wir leider kaum etwas. Hier die Einzelergebnisse:

Einen schönen Einzelerfolg aus unserer Sicht zum Auftakt der Begegnung feierte Insa am siebten Brett:

So sieht ihre Schlussstellung mit Weiß nach nur 21 Zügen aus:

Null Fehler, null Patzer und nur eine Ungenauigkeit sagt ihr Analyseverlauf – stark:

Kann es sein, dass sie die erste weibliche Spielerin ist, die für den SK Werther in der NRW-Klasse einen Punkt geholt hat? Oder ist es sogar so, dass sie überhaupt die erste weibliche Spielerin ist, die jemals für die erste Mannschaft des SKW gespielt hat? Siegreich noch dazu.

Wer hat den Frauen 1918 eigentlich das Wahlrecht zugestanden? Und wer hat ihnen schon vier Jahrzehnte später die männliche Vormundschaft entzogen? Seitdem erleben wir einen Dammbruch nach dem anderen. Sollen die „Wesen zweiter Klasse“ (Schopenhauer) etwa irgendwann das gleiche Geld verdienen wir wir? Und uns dann womöglich auch noch am Schachbrett eine lange Nase zeigen?

Zur Ehrenrettung steuerte Jan am zweiten Brett einen Sieg des überlegenen männlichen Geistes bei.

Jans letzter Zug ist Lf2, sein Gegner gibt in der folgenden Stellung auf:

Und hier ist sein Analyseverlauf. 97 Prozent Genauigkeit ist ein mannschaftsinterner Rekord:

Jonas, Mario, Malte und Ilya verloren ihre Partien.

Jonas erkältet am ersten Brett.

Jonas opferte fatalerweise auf g6 einen Springer. Sein Gegner verteidigte sich akkurat. So ergab sich unser Spitzenspieler später seinem Schicksal und baute mehr oder weniger ein Selbstmatt. Hier ist das Matt und der Partiechart:

Im Schlussdrittel ließ ihm der Münsteraner keine Chance:

Mario am fünften Brett strich im Turmendspiel die Segel.

Mario

Im 20. Zug bot er Remis. Die Stellung war zu diesem Zeitpunkt total ausgeglichen. Doch sein Gegner lehnte ab. Ein paar Züge später ging es bergab für unseren Mann, weil Mario anscheinend die TurKMenistan-Regel nicht ausreichend beherzigte (Turmaktivität vor Königsaktivität vor Material). Hier ist seine Schlussstellung mit den weißen Steinen:

Marios Chartverlauf zeigt die späte Talfahrt:

Maltes Partie am sechsten Brett war nach seiner Aussage ein „Auf und Ab“. Sein Partiechart untermauert seine Einschätzung. Zwischenzeitlich erarbeitete sich Malte einen Vorteil von 5,8 Bauerneinheiten. Ich hätte mir ins Knie gebissen, wenn ich das noch verloren hätte. Malte verlor und biss sich nicht ins Knie.

Malte

Mit Schwarz am Zug unterlief ihm im 35. Zug ein schwerer Fehler, der seinen gesamten Vorteil zunichte machte. Er spielte nämlich im folgenden Stellungsbild das naheliegende Sxc1, doch der beste Zug ist Sf6!. Möglicherweise hätten wir danach zumindest einen Punkt aus dem Mannschaftskampf mit nach Hause genommen:

Jood Alhamwi – Malte Prochnow 1:0.

Eine letzte, versteckte Möglichkeit zum Ausgleich vergab Malte kurz vor Schluss – ziemlich aufregende Partie. Hier ist noch einmal die bemerkenswerte Ausgleichmöglichkeit, die ich als Beobachter an der Seite ebenfalls nicht erkannte. Was hättet ihr in der Stellung gezogen? Es droht Damenverlust; wer kommt da schon auf den Zug Ka7? Malte gab stattdessen die Qualität und reichte wenig später die Hand zur Aufgabe:

Die weiße Springergabel scheint zu gewinnen. Doch die schwarze Antwort Ka7! reicht zum Ausgleich. Eine nette kleine Taktikaufgabe.

Maltes „Auf und Ab“ als Chart:

Ilya, der sich netterweise sehr kurzfristig für den krankheitsbedingt ausgefallen Florian als Ersatzmann ans achte Brett setzte, produzierte eine Kurzpartie zu seinen Ungunsten: Nach 18 Zügen war Schluss. In einer Wiener Partie unterlief ihm im vierten Zug mit Schwarz ein folgenschwerer Fehler: Sc6??. Danach ist die Partie kaum noch zu retten. Richtig wäre d5 gewesen:

Schwarz beantwortet den Zug f4 mit dem Fehler Sc6: Luis Philipp – Ilya Zolothyk 1:0.

Wir haben gegen den stark ersatzgeschwächten SK Münster II eine gute Gelegenheit zum vorzeitigen Klassenerhalt verpasst. Unsere Tabellensituation hat sich kaum verändert, wir bleiben Fünfter. Nach Brettpunkten hingegen wären wir nur Siebter:

Und hier der Link zur Ergebnisseite des Deutschen Schachbundes: https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=nrw-k1

Wieder an der Tabellenspitze

Manfred Daub holt den entscheidenden Punkt (Bild: E. Hufendiek)

Das Jahr begann gut am vergangenen Sonntag: Die II. konnte gegen den eher favorisierten SV Barntrup solide 5:3 gewinnen. Beide Mannschaften waren nicht in Bestbesetzung, aber der krankheitsbedingte Ausfall des Barntruper Spitzenspielers (bisher 4/4 Punkte!) kam Gastgeber Werther sicher entgegen.

Nach der ersten Phase zeigte sich, dass Ilya Zolotykh (Brett 8) und Mesud Mujanovic (2) ihre Gegner deutlich unter Druck setzen konnten. Bald hatte auch Ralf Diele (3) eine Qualität erobert, ohne dass der Gegner auch nur ansatzweise Kompensation sah.

Andererseits sah es bei Insa Schwittay (7) und Michael Henkemeier (1) weniger gut aus.

Die erste Entscheidung fiel am vierten Brett. Hier einigte sich Reinhard Geisler mit seinem Gegner auf ein friedliches Remis.

Dann kippte das Spitzenbrett, als der Barntruper nicht energisch genug vorging und einen Konter ermöglichte, der dann in ein gewonnenes Endspiel mündete. Bald danach konnten auch Ralf und Ilya den vollen Punkt kassieren.

Spannung kam noch einmal auf, als sich Mesud seinen deutlichen Vorteil wegkombinieren ließ und der bereits einkalkulierte Punkt zu entschweben drohte.

Nach vier Stunden rettete Manfred Daub – mit 92 der „Alterspräsident der Mannschaft“ – den Kampf. Die beiden Doppelbauerschwächen des Gegners nutzte er geduldig und konsequent aus und nach fast 60 Zügen gab sich sein Gegner geschlagen.

Zwischendurch war Volker Meises Partie verloren gegangen. Hier hatte wieder das Zeitproblem zugeschlagen.

Mesud konnte letztlich mit Hilfe seines starken Freibauern noch ein Remis erreichen, während Insa trotz heftigster Gegenwehr nach fast fünf Stunden aufgegebn musste.

Auch in der Parallelbegegnung Ubbedissen – Rheda II gewann nicht der idealbesetzte Favorit, sondern Rheda II mit deutlichen 6,5 Punkten.

Nach Brettpunkten führt Werther II jetzt die Tabelle an und muss sich am 08.02. in Rheda gegen den aktuellen Tabellenzweiten beweisen.

https://www.ergebnisdienst.net/2025_2026/abfrage.php?liga=64_32

NRW-Klasse 5. Spieltag: SK Werther – SK BS Paderborn 2:6

Werther (ehu). Das war nichts. Gegen den Tabellenführer haben wir alt ausgesehen. Hier die Einzelergebnisse:

Nur Felix an Brett 8 inszeniert mit Weiß einen hübschen Königsangriff und sackt verdient einen vollen Punkt ein.

Felix Linnenbrügger – Heinz-Gerd Zurgeißel 1:0.

Der Computer bewertet seinen Vorteil in der folgenden Schlussstellung auf knapp sieben Bauerneinheiten:

Die Ansicht des Partieverlaufs zeigt wie stark Felix gespielt hat – 95 Prozent Genauigkeit :

Zur Ergebniskosmetik steuern Marko und ich je einen halben Punkt bei. Marko spielt an Brett 3 sicher und souverän:

Björn Augner – Marko Suchland 0,5:0,5.

Einmal verpasst er eine Chance auf Vorteil, wie sein Chart zeigt:

Am Ende ist Markos Stellungsbild ein staubtrockenes 0,00:

Ich hingegen patze mit Schwarz an Brett 5 schon in der Eröffnung. Ein Blick reicht auf meine völlig zerzauste Bauernstruktur und meinen unsicheren König – totale Pleitestellung nach nur 13 Zügen:

Dennis Janyska – Ekkehard Hufendiek 0,5:0,5.

Doch mein Gegner findet keinen Ausknipser. Zudem wehre ich mich nach Kräften. Im 25. Zug forciert der Paderborner schließlich den Damentausch, was letztlich seinen Vorteil minimiert und zum Ausgleich führt. Meine Schlussstellung sieht so aus:

Dennis Janyska – Ekkehard Hufendiek 0,5:0,5.

Mein Chart zeigt den Patzer in der Eröffnung:

An allen anderen Brettern sind wir leer ausgegangen.

Brett 1 mit Foto und Partie zum Nachspielen:

FM Maurin Möller – Jonas Freiberger 1:0.

Jonas‘ Partiechart:

Brett 2:

Jan Haskenhoff – Niklas Schlangenotto 0:1.

Sein entscheidender Fehler passiert in leicht schlechter Stellung:

Jans Chart zeigt seinen Einbruch in Zeitnot am Ende:

Exorbitant ist Jans Zeitverbrauch. Das Foto unten zeigt den Uhrenstand vor seinem achten! Zug. Er befindet sich also noch in der Eröffnung und hat schon eine Stunde seiner Zeit hineingesteckt. Und es geht weiter: Jan grübelt und grübelt und grübelt.

Nach dem schwarzen Zug Lb4 steckt Jan viel mehr Zeit in das Stellungsproblem als nötig – und findet noch dazu eine zweifelhafte Lösung.

Die Qualität seiner Züge ist zwar gut und im Gegensatz zu mir baut er keine Patzer ein, doch schraubt er seine Zeit schier unaufhaltsam in den Inkrementmodus. Wer empfahl einst, nicht mehr als 20 Minuten pro Zug zu investieren? Ich weiß es nicht mehr. Darüber hinaus gefällte Entscheidungen seien jedenfalls meist schlecht. Die Aussage trifft: In Zeitnot unterläuft unserem Physiker schließlich der obige spielentscheidende Fehler.

Brett 4:

Markus Henkemeier – Kevin Kesselmeier 0:1.

Markus Schlussstellung:

Und sein Partiechart:

Brett 6:

Mario Ortpaul – Moritz Hötte 0:1.

Marios Schlussstellung:

Und Marios Chart:

Brett 7:

Professor Dr. Michael Bösch – Malte Prochnow 1:0.

Das Schlussbild:

Maltes Verlauf – die Partie wird ihm keinen Spaß gemacht haben:

Die Mannschaftsniederlage können wir verkraften. Die fehlenden zwei Punkte werden wir in einigen chancenreicheren Begegnungen holen – zum Beispiel gegen Eichlinghofen. In der Tabelle sind wir ins Mittelfeld abgerutscht:

Der Abschluss der fünften Runde ist ein guter Zeitpunkt für eine mannschaftsinterne Zwischenbilanz. Demnach führen die Scorerliste Markus mit 3 aus 4 und ich mit 3,5 aus 5 an:

Zum Abschluss der Link zur Ergebnisseite der NRW-Klasse des Schachbundes: https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=nrw-k1

Schachtürkencup 2025 – ein Desaster

Paderborn (ehu). Meine Lieblingsfigur aus dem Comic „Streit um Asterix“ heißt Taubenus – ein Spezialist für „psychologische Kriegsführung“.

Taubenus spiegelt bildlich ziemlich genau meinen Gemütszustand wider nach dem Geschehen in der fünften Runde des Schachtürkencups in Paderborn. Dort produzierte ich die wohl größte Eselei meiner Schachkarriere:

Nach zwei Niederlagen und zwei Siegen in Folge saß ich in der fünften Runde an Brett 25 und führte die weißen Steine.

Die Eröffnung läuft gut – das Ende ist zum Heulen. Foto: Lina Hufendiek

Mein Gegner, André Nicolas Heidel vom SC Aschaffenburg, war mit einer Elozahl von 2126 deutlich stärker eingestuft als ich. Trotzdem überspielte ich ihn in der Eröffnung. Nach einigen beiderseits schwachen Zügen im Mittelspiel, nagelte ich ihn schließlich im Königsangriff an die Wand. Zweimal rechnete ich mit seiner devoten Aufgabe, bis wir diese Stellung erreichten:

Ich habe Weiß, bin am Zug und könnte in drei Zügen mattsetzen. Dreimal Schach: g6+,Lf6+, Dxh6++. Also Schach, Schach, Schach – einfacher geht es nicht. Doch ich Esel tausche die Damen.

Ich verliere die Partie und kann es nicht fassen. Auch Dh5, was ich zuerst ziehen wollte, setzt in obiger Stellung matt. Und selbst nach dem Damentausch ist es immer noch matt, allerdings erst nach sechs Zügen, was ich in Zeitnot nicht gefunden habe.

Mein Gegner sagte im Anschluss, dass es ihm leidtue. Das machte es noch schlimmer. Ich verstehe bis heute nicht, warum ich ein Brett vor dem Kopf hatte. Danach war das Turnier für mich gelaufen und ich verlor jede Partie. DWZ-Verlust 100.000. Morgen höre ich auf mit der Klötzchenschieberei. Hier ist meine chronologische Gegnerliste:

Klar, dass es bei Jonas Freiberger, Michael Henkemeier und Stefan Bauer besser lief. Sie hielten die Fahnen unseres Schachklubs deutlich höher als ich. Jonas wurde 18. der A-Gruppe.

Gegen Martin Fenner in der ersten Runde spielte er grottig, gegen Helena Neumann in der fünften Runde stand er pleite, zeigte aber seine typische Stärke im Leichtfigurenendspiel. Gegen Herbert Kruse verpatzte er ein gewonnenes Turmendspiel zum Remis. Trotzdem gelang ihm ein respektables Ergebnis. Hier ist Jonas‘ Gegnerliste:

Michael startete vom Setzlistenplatz 90 und katapultierte sich mit solidem Spiel – ohne Eselei – auf den 65. Platz – stark. Seine Eloperformance beträgt 1949.

Exemplarisch sein Sieg gegen Jasper Bohle vom LSV Lippstadt, dem er mit Schwarz im 20. Zug die Qualität abknöpfte. Im 44. Zug gab sein Gegner schließlich in dieser Stellung auf:

Hier ist Michaels Gegnerliste:

Von Stefan in der B-Gruppe habe ich leider nichts mitbekommen. Er startete von Platz 90 und beendete sein Turnier auf dem 97. Platz. Hier ist seine Gegnerliste:

Meine Tochter Lina spielte zum zweiten Mal beim Chess- and Culture-Turnier mit – inklusive Museums- und Stadtführung. „Sehr interessant“ , sagte sie, sei es gewesen.

Durch ein Spielfrei in der zweiten Runde erhielt sie ziemlich früh drei kampflose Punkte – das war Pech. Denn danach traf sie als wertungslose Spielerin ausschließlich auf Gegner jenseits der 1800 Elo – ein Unding. Spaß gemacht hat es ihr dennoch. Hier ist ihre Gegnerliste:

Die Turnierorganisatoren haben erstmals A- und B-Gruppe räumlich komplett getrennt. Nach ihrer Aussage wegen der hohen Teilnehmerzahl: Denn in A-,B- und Culture-Gruppe saßen vom 27. bis zum 30. Dezember knapp 250 Schachspieler an den Brettern. Hinzu kamen etwa 120 Kinder, die am Sonntag ihr Tagesturnier in fünf Altersklassen von der U8 bis zur U16 im Untergeschoss des Heinz-Nixdorf-Museums austrugen. Für den Ausrichterverein SK Blauer Springer Paderborn ein Rekord. Sie meisterten die Herausforderung nicht nur dank der idealen Spielbedingungen hervorragend.

Für den viel zu früh verstorbenen internationalen Schiedsrichter Dirk Husemann setzten sie Dr. Andreas Junk als Hauptschiedsrichter ein – einen promovierten Physiker. Der gab klare Anweisungen, tätigte einige Ansagen in fließendem Englisch und schien seine Rolle mit viel Leidenschaft auszufüllen. Mir gefiel er gut.

Allerdings fand ich seine Regel überzogen, die das Fotografieren auf die ersten 15 Minuten nach Rundenbeginn beschränkte. Bei professionellen Wettbewerben mag das sinnvoll sein, bei hobbyorientierten Schachturnieren ist es das nicht. Nie hätte ich gedacht, dass ich Dirks laute Ermahnung zur Ruhe einmal vermissen werde – „PSCHT“.

Zu seinem Gedenken klinke ich erneut das Video ein, in dem Dirk dem neunjährigen Ashwath Kaushik aus Singapur im Frühjahr dieses Jahres beim Schloss-Open das Züge-Ansagen gegen den blinden René Adiyaman erklärt:

Nebenbei bemerkt ist Kaushik mittlerweile Fidemeister (2306) und auf Platz sechs seiner Altersklasse der weltweiten Schachwunderkind-Liste (Prodigy) vorgestoßen:

Der Vollsständigkeit halber füge ich an dieser Stelle schließlich noch einen Screenshot ein der ersten zwanzig Plätze der A-Gruppe des Paderborner Schachtürkencups. Dass der Fidemeister Klaus Schmitzer vom SK Münster das Turnier gewann, war vermutlich für viele eine Überraschung, zumal er in der Vorschlussrunde gegen Maurin Möller verlor. Doch in der Schlussrunde zeigte er im Gegensatz zu seinen Konkurrenten Kampfgeist und gewann seine Partie.

Und zum Schluss der Link zur Paderborner Schachtürkencup-Seite: https://www.schachtuerken-cup.de/:

Neues von der II.

Nach vier Spieltagen steht die II. auf Platz 2 der Verbandsklasse.

Ärgerlicherweise ging der letzte Kampf am 21.12. knapp verloren. Und das lag weniger daran, dass wegen Krankheit ein Brett kampflos abgegeben werden musste, denn das wurde durch zwei schnelle Siege ausgeglichen: Florian Schwartz am Spitzenbrett überrannte seinen Gegner regelrecht und Insa Schwittay nahm ihrem Gegner die eingestellte Figur ab, wonach dieser enttäuscht aufgab.

Danach folgten Niederlagen an Brett 3 und 8, an denen weder Felix Linnenbrügger noch Ilya Zolotykh zu überzeugendem Spiel fanden, dann relativ früh Material verloren und die Partie nicht mehr halten konnten.

Überzeugend dagegen die Endspielkünste von Ralf Diele, der schon früh gesehen hatte, wie er die – eher unverdächtig wirkende – geschlossene Stellung aufbrechen konnte, um sicher zum Gewinn abzuwickeln.

Zeitnoktexperte Volker Meise hatte schon nach 14 Zügen nur noch fünf Minuten auf der Uhr und eine unklare Stellung vor sich. Michael Henkemeier hatte zwar in der Eröffnung einen Bauern gewonnen, sich aber von seiner Gegnerin in eine passive Stellung bringen lassen. Schließlich übersah er einen Zwischenzug und verlor eine Figur. Am Ende halfen auch taktische Tricks nicht mehr und der Punkt ging verloren.

Erstaunlicherweise hatte sich Volker immer noch gut gegen die Uhr gestemmt, war aber in ein schlechteres Endspiel geraten, so dass seine Gegnerin sein Remisangebot ablehnte, obwohl es ihrem Team den Sieg gebracht hätte. Letztlich fand Volker noch eine unerwartete Wendung, die die Stellung halbwegs in der Waage hielt, so dass es doch noch zum friedlichen Remis kam.

Der Kampfverlauf offenbarte deutliche Steigerungspotenziale auf Seiten der II. Im Frühjahr hat die Mannschaft die stärkeren Gegner des Feldes vor sich und da sollte es möglichst etwas überzeugender laufen.

https://www.ergebnisdienst.net/2025_2026/abfrage.php?liga=64_32

NRW-Klasse 4. Spieltag: SV Meschede – SK Werther 3,5:4,5

Meschede (ehu). Der Matchwinner ist Michael. Als Ersatzmann am achten Brett holte er den entscheidenden Sieg. In einem Endspiel mit verschiedenfarbigen Läufern war sein gedeckter Freibauer nicht zu stoppen.

Leszjek Trojan – Michael Henkemeier 0:1.
Michaels c-Bauer schreitet zur Dame, sein Gegner gibt auf.

So gewinnen wir zum dritten Mal in dieser Saison mit einem hauchdünnen 4,5:3,5-Vorsprung. Nur ein Sieg fehlt jetzt noch für den Klassenerhalt, denn acht Punkte sollten reichen. Das muss in den ausstehenden fünf Begegnungen doch wohl möglich sein. Hier sind die Einzelergebnisse des Kampfes:

Markus am dritten Brett produzierte eine vergnügliche Berg- und Talfahrt. Sie hätten würfeln können. Markus gewann.

Markus Henkemeier – Olaf Hollnack 1:0.

Hier ist seine Partie zum Nachspielen. Den Bewertungschart habe ich zur Ansicht darunter platziert.

Marko spielte gegen Bernhard Rittmeier, mit einer DWZ von 2208 der stärkste Spieler des SV Meschede. Nach 21 Zügen vereinbarten sie – in vorteilhafter Stellung für Marko – Remis.

Mario kam am fünften Brett gegen einen starken Gegner zu einem weiteren wichtigen Unentschieden.

Mario

Maltes Gegner am siebten Brett hielt die Stellung lange im Gleichgewicht. Doch am Ende knöpfte ihm unser Mann einen Bauern nach dem anderen ab. Mit drei Bauern im Minus gab Maltes Gegner auf und wir gingen in Führung.

Jonas lehnte am Spitzenbrett im 22. Zug ein Remisangebot seines Gegners ab und verlor später die Partie.

Hier ist seine Schlussstellung, in der er mit Weiß am Zug aufgibt.

Jonas Freiberger – Stefan Arndt 0:1.

Ich stand am vierten Brett im Endspiel klar auf Gewinn. Doch im 39. Zug unterlief mir ein Fehler, so dass ich mit Schwarz am Zug dem Dauerschach nicht mehr entkam. Hier ist meine Stellung im 39.Zug:

In obiger Stellung hätte ich Kd6 finden müssen. Ich aber zog Kd7 und die Computerbewertung sackt von -5,9 auf 0 zusammen Zuhause schlug ich mehrfach meine Stirn auf die Tischplatte wie ein pickendes Huhn. Jonas sagte, er hat sich für mich geschämt, als er sah, dass ich das nicht gewinne.

Florian am siebten Brett spielte gegen Bert Hollmann (DWZ 2105) und war der klare Underdog. Die Partie ging in die Verlängerung. Florian hielt mit Dame und Läufer lange stand gegen Dame und vier Bauern. Am Ende war seine Gegenwehr jedoch vergebens.

Durch den Mannschaftssieg kletterten wir auf den dritten Tabellenplatz:

Hier noch der Link zur Schachbundseite der NRW-Klasse I: https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=nrw-k1

Jonas Freiberger bezwingt Bundestrainer Jan Gustafsson

Jonas Freiberger am Live-Brett.
Jan Gustafsson – Jonas Freiberger 0:1. Im Screenshot zieht der Großmeister seinen Turm soeben ahnungslos nach a7 – bei ausreichend Bedenkzeit auch in einer Blitzpartie ein krasser Patzer.
Schwupps – Jonas‘ Springer hat Gustafssons weißen Turm geschluckt. Gustafsson nimmts mit Humor.

Werther (ehu). Der eine rangiert mit 2225 Elopunkten auf Platz 771 der nationalen Rangliste, der andere mit 2591 Elopunkten auf Platz 9. Doch am Ende sackt Jonas den Punkt ein. David besiegt Goliath.

Der Schach-Bundestrainer Jan Gustafsson aus Hamburg ist Großmeister, ehemaliger Nationalspieler und ausgewiesener Eröffnungsexperte. Einst zählte er zum Sekundantenteam des Weltmeisters Magnus Carlsen. Seit 2020 betreibt er einen eigenen Streaming-Kanal auf der Plattform Twitch: JanistanTV.

Auf dem Kanal streamte er jetzt live seine Vorrunden-Partien zur Deutschen Schach-Online-Blitzmeisterschaft. Das Turnier wurde vom Deutschen Schachbund organisiert und war für alle Schachspieler offen. In der 21. Begegnung des Blitzschachturniers traf Gustafsson auf einen der besten Spieler im Altkreis: Jonas Freiberger vom SK Werther.

Der spielte unter seinem Pseudonym Mettigel mit den schwarzen Steinen und erhielt für seinen kuriosen Spitznamen prompt ein Lob des Profis: „Ein guter Name“, sagte Gustafsson.“ Schon in der Eröffnung opferte der Wertheraner einen Bauern. Gustafsson reagierte gelassen, zeigte sich aber beeindruckt von der Geschwindigkeit seines Gegners: Freiberger knallte fast jede schwarze Antwort à tempo auf das virtuelle Brett. 

Trotzdem erkämpfte sich Gustafsson eine leicht bessere Stellung. Im 25. Zug aber unterlief ihm ein sehr seltener Fehler auf Großmeisterniveau: Er stellte mit ausreichend Bedenkzeit ohne Not einzügig seinen Turm ein – und gab sofort auf. Für Jonas Freiberger ein persönliches Highlight seiner Schachkarriere, für Gustafsson am Bildschirm ein Grund zum Lachen.

Am Ende des Vorrundenturniers landete Jonas Freiberger dennoch nur auf Rang 48 von knapp 450 Teilnehmern. Damit verpasste er die Qualifikation zur Endrunde, die nur für die ersten 20 Plätze freigeschaltet wurde. Anders Gustafsson: Der gewann die Vorrunde und beendete die Endrunde letztlich leicht enttäuscht auf Platz acht.

Hier der Link zum Twitch-Kanal von Jan Gustafsson: https://www.twitch.tv/janistantv