Manfred Daub holt den entscheidenden Punkt (Bild: E. Hufendiek)
Das Jahr begann gut am vergangenen Sonntag: Die II. konnte gegen den eher favorisierten SV Barntrup solide 5:3 gewinnen. Beide Mannschaften waren nicht in Bestbesetzung, aber der krankheitsbedingte Ausfall des Barntruper Spitzenspielers (bisher 4/4 Punkte!) kam Gastgeber Werther sicher entgegen.
Nach der ersten Phase zeigte sich, dass Ilya Zolotykh (Brett 8) und Mesud Mujanovic (2) ihre Gegner deutlich unter Druck setzen konnten. Bald hatte auch Ralf Diele (3) eine Qualität erobert, ohne dass der Gegner auch nur ansatzweise Kompensation sah.
Andererseits sah es bei Insa Schwittay (7) und Michael Henkemeier (1) weniger gut aus.
Die erste Entscheidung fiel am vierten Brett. Hier einigte sich Reinhard Geisler mit seinem Gegner auf ein friedliches Remis.
Dann kippte das Spitzenbrett, als der Barntruper nicht energisch genug vorging und einen Konter ermöglichte, der dann in ein gewonnenes Endspiel mündete. Bald danach konnten auch Ralf und Ilya den vollen Punkt kassieren.
Spannung kam noch einmal auf, als sich Mesud seinen deutlichen Vorteil wegkombinieren ließ und der bereits einkalkulierte Punkt zu entschweben drohte.
Nach vier Stunden rettete Manfred Daub – mit 92 der „Alterspräsident der Mannschaft“ – den Kampf. Die beiden Doppelbauerschwächen des Gegners nutzte er geduldig und konsequent aus und nach fast 60 Zügen gab sich sein Gegner geschlagen.
Zwischendurch war Volker Meises Partie verloren gegangen. Hier hatte wieder das Zeitproblem zugeschlagen.
Mesud konnte letztlich mit Hilfe seines starken Freibauern noch ein Remis erreichen, während Insa trotz heftigster Gegenwehr nach fast fünf Stunden aufgegebn musste.
Auch in der Parallelbegegnung Ubbedissen – Rheda II gewann nicht der idealbesetzte Favorit, sondern Rheda II mit deutlichen 6,5 Punkten.
Nach Brettpunkten führt Werther II jetzt die Tabelle an und muss sich am 08.02. in Rheda gegen den aktuellen Tabellenzweiten beweisen.
Werther (ehu). Das war nichts. Gegen den Tabellenführer haben wir alt ausgesehen. Hier die Einzelergebnisse:
Nur Felix an Brett 8 inszeniert mit Weiß einen hübschen Königsangriff und sackt verdient einen vollen Punkt ein.
Felix Linnenbrügger – Heinz-Gerd Zurgeißel 1:0.
Der Computer bewertet seinen Vorteil in der folgenden Schlussstellung auf knapp sieben Bauerneinheiten:
Die Ansicht des Partieverlaufs zeigt wie stark Felix gespielt hat – 95 Prozent Genauigkeit :
Zur Ergebniskosmetik steuern Marko und ich je einen halben Punkt bei. Marko spielt an Brett 3 sicher und souverän:
Björn Augner – Marko Suchland 0,5:0,5.
Einmal verpasst er eine Chance auf Vorteil, wie sein Chart zeigt:
Am Ende ist Markos Stellungsbild ein staubtrockenes 0,00:
Ich hingegen patze mit Schwarz an Brett 5 schon in der Eröffnung. Ein Blick reicht auf meine völlig zerzauste Bauernstruktur und meinen unsicheren König – totale Pleitestellung nach nur 13 Zügen:
Dennis Janyska – Ekkehard Hufendiek 0,5:0,5.
Doch mein Gegner findet keinen Ausknipser. Zudem wehre ich mich nach Kräften. Im 25. Zug forciert der Paderborner schließlich den Damentausch, was letztlich seinen Vorteil minimiert und zum Ausgleich führt. Meine Schlussstellung sieht so aus:
Dennis Janyska – Ekkehard Hufendiek 0,5:0,5.
Mein Chart zeigt den Patzer in der Eröffnung:
An allen anderen Brettern sind wir leer ausgegangen.
Brett 1 mit Foto und Partie zum Nachspielen:
FM Maurin Möller – Jonas Freiberger 1:0.
Jonas‘ Partiechart:
Brett 2:
Jan Haskenhoff – Niklas Schlangenotto 0:1.
Sein entscheidender Fehler passiert in leicht schlechter Stellung:
Jans Chart zeigt seinen Einbruch in Zeitnot am Ende:
Exorbitant ist Jans Zeitverbrauch. Das Foto unten zeigt den Uhrenstand vor seinem achten! Zug. Er befindet sich also noch in der Eröffnung und hat schon eine Stunde seiner Zeit hineingesteckt. Und es geht weiter: Jan grübelt und grübelt und grübelt.
Nach dem schwarzen Zug Lb4 steckt Jan viel mehr Zeit in das Stellungsproblem als nötig – und findet noch dazu eine zweifelhafte Lösung.
Die Qualität seiner Züge ist zwar gut und im Gegensatz zu mir baut er keine Patzer ein, doch schraubt er seine Zeit schier unaufhaltsam in den Inkrementmodus. Wer empfahl einst, nicht mehr als 20 Minuten pro Zug zu investieren? Ich weiß es nicht mehr. Darüber hinaus gefällte Entscheidungen seien jedenfalls meist schlecht. Die Aussage trifft: In Zeitnot unterläuft unserem Physiker schließlich der obige spielentscheidende Fehler.
Brett 4:
Markus Henkemeier – Kevin Kesselmeier 0:1.
Markus Schlussstellung:
Und sein Partiechart:
Brett 6:
Mario Ortpaul – Moritz Hötte 0:1.
Marios Schlussstellung:
Und Marios Chart:
Brett 7:
Professor Dr. Michael Bösch – Malte Prochnow 1:0.
Das Schlussbild:
Maltes Verlauf – die Partie wird ihm keinen Spaß gemacht haben:
Die Mannschaftsniederlage können wir verkraften. Die fehlenden zwei Punkte werden wir in einigen chancenreicheren Begegnungen holen – zum Beispiel gegen Eichlinghofen. In der Tabelle sind wir ins Mittelfeld abgerutscht:
Der Abschluss der fünften Runde ist ein guter Zeitpunkt für eine mannschaftsinterne Zwischenbilanz. Demnach führen die Scorerliste Markus mit 3 aus 4 und ich mit 3,5 aus 5 an:
Paderborn (ehu). Meine Lieblingsfigur aus dem Comic „Streit um Asterix“ heißt Taubenus – ein Spezialist für „psychologische Kriegsführung“.
Taubenus spiegelt bildlich ziemlich genau meinen Gemütszustand wider nach dem Geschehen in der fünften Runde des Schachtürkencups in Paderborn. Dort produzierte ich die wohl größte Eselei meiner Schachkarriere:
Nach zwei Niederlagen und zwei Siegen in Folge saß ich in der fünften Runde an Brett 25 und führte die weißen Steine.
Die Eröffnung läuft gut – das Ende ist zum Heulen. Foto: Lina Hufendiek
Mein Gegner, André Nicolas Heidel vom SC Aschaffenburg, war mit einer Elozahl von 2126 deutlich stärker eingestuft als ich. Trotzdem überspielte ich ihn in der Eröffnung. Nach einigen beiderseits schwachen Zügen im Mittelspiel, nagelte ich ihn schließlich im Königsangriff an die Wand. Zweimal rechnete ich mit seiner devoten Aufgabe, bis wir diese Stellung erreichten:
Ich habe Weiß, bin am Zug und könnte in drei Zügen mattsetzen. Dreimal Schach: g6+,Lf6+, Dxh6++. Also Schach, Schach, Schach – einfacher geht es nicht. Doch ich Esel tausche die Damen.
Ich verliere die Partie und kann es nicht fassen. Auch Dh5, was ich zuerst ziehen wollte, setzt in obiger Stellung matt. Und selbst nach dem Damentausch ist es immer noch matt, allerdings erst nach sechs Zügen, was ich in Zeitnot nicht gefunden habe.
Mein Gegner sagte im Anschluss, dass es ihm leidtue. Das machte es noch schlimmer. Ich verstehe bis heute nicht, warum ich ein Brett vor dem Kopf hatte. Danach war das Turnier für mich gelaufen und ich verlor jede Partie. DWZ-Verlust 100.000. Morgen höre ich auf mit der Klötzchenschieberei. Hier ist meine chronologische Gegnerliste:
Klar, dass es bei Jonas Freiberger, Michael Henkemeier und Stefan Bauer besser lief. Sie hielten die Fahnen unseres Schachklubs deutlich höher als ich. Jonas wurde 18. der A-Gruppe.
Gegen Martin Fenner in der ersten Runde spielte er grottig, gegen Helena Neumann in der fünften Runde stand er pleite, zeigte aber seine typische Stärke im Leichtfigurenendspiel. Gegen Herbert Kruse verpatzte er ein gewonnenes Turmendspiel zum Remis. Trotzdem gelang ihm ein respektables Ergebnis. Hier ist Jonas‘ Gegnerliste:
Michael startete vom Setzlistenplatz 90 und katapultierte sich mit solidem Spiel – ohne Eselei – auf den 65. Platz – stark. Seine Eloperformance beträgt 1949.
Exemplarisch sein Sieg gegen Jasper Bohle vom LSV Lippstadt, dem er mit Schwarz im 20. Zug die Qualität abknöpfte. Im 44. Zug gab sein Gegner schließlich in dieser Stellung auf:
Hier ist Michaels Gegnerliste:
Von Stefan in der B-Gruppe habe ich leider nichts mitbekommen. Er startete von Platz 90 und beendete sein Turnier auf dem 97. Platz. Hier ist seine Gegnerliste:
Meine Tochter Lina spielte zum zweiten Mal beim Chess- and Culture-Turnier mit – inklusive Museums- und Stadtführung. „Sehr interessant“ , sagte sie, sei es gewesen.
Durch ein Spielfrei in der zweiten Runde erhielt sie ziemlich früh drei kampflose Punkte – das war Pech. Denn danach traf sie als wertungslose Spielerin ausschließlich auf Gegner jenseits der 1800 Elo – ein Unding. Spaß gemacht hat es ihr dennoch. Hier ist ihre Gegnerliste:
Die Turnierorganisatoren haben erstmals A- und B-Gruppe räumlich komplett getrennt. Nach ihrer Aussage wegen der hohen Teilnehmerzahl: Denn in A-,B- und Culture-Gruppe saßen vom 27. bis zum 30. Dezember knapp 250 Schachspieler an den Brettern. Hinzu kamen etwa 120 Kinder, die am Sonntag ihr Tagesturnier in fünf Altersklassen von der U8 bis zur U16 im Untergeschoss des Heinz-Nixdorf-Museums austrugen. Für den Ausrichterverein SK Blauer Springer Paderborn ein Rekord. Sie meisterten die Herausforderung nicht nur dank der idealen Spielbedingungen hervorragend.
Für den viel zu früh verstorbenen internationalen Schiedsrichter Dirk Husemann setzten sie Dr. Andreas Junk als Hauptschiedsrichter ein – einen promovierten Physiker. Der gab klare Anweisungen, tätigte einige Ansagen in fließendem Englisch und schien seine Rolle mit viel Leidenschaft auszufüllen. Mir gefiel er gut.
Allerdings fand ich seine Regel überzogen, die das Fotografieren auf die ersten 15 Minuten nach Rundenbeginn beschränkte. Bei professionellen Wettbewerben mag das sinnvoll sein, bei hobbyorientierten Schachturnieren ist es das nicht. Nie hätte ich gedacht, dass ich Dirks laute Ermahnung zur Ruhe einmal vermissen werde – „PSCHT“.
Zu seinem Gedenken klinke ich erneut das Video ein, in dem Dirk dem neunjährigen Ashwath Kaushik aus Singapur im Frühjahr dieses Jahres beim Schloss-Open das Züge-Ansagen gegen den blinden René Adiyaman erklärt:
Nebenbei bemerkt ist Kaushik mittlerweile Fidemeister (2306) und auf Platz sechs seiner Altersklasse der weltweiten Schachwunderkind-Liste (Prodigy) vorgestoßen:
Der Vollsständigkeit halber füge ich an dieser Stelle schließlich noch einen Screenshot ein der ersten zwanzig Plätze der A-Gruppe des Paderborner Schachtürkencups. Dass der Fidemeister Klaus Schmitzer vom SK Münster das Turnier gewann, war vermutlich für viele eine Überraschung, zumal er in der Vorschlussrunde gegen Maurin Möller verlor. Doch in der Schlussrunde zeigte er im Gegensatz zu seinen Konkurrenten Kampfgeist und gewann seine Partie.
Nach vier Spieltagen steht die II. auf Platz 2 der Verbandsklasse.
Ärgerlicherweise ging der letzte Kampf am 21.12. knapp verloren. Und das lag weniger daran, dass wegen Krankheit ein Brett kampflos abgegeben werden musste, denn das wurde durch zwei schnelle Siege ausgeglichen: Florian Schwartz am Spitzenbrett überrannte seinen Gegner regelrecht und Insa Schwittay nahm ihrem Gegner die eingestellte Figur ab, wonach dieser enttäuscht aufgab.
Danach folgten Niederlagen an Brett 3 und 8, an denen weder Felix Linnenbrügger noch Ilya Zolotykh zu überzeugendem Spiel fanden, dann relativ früh Material verloren und die Partie nicht mehr halten konnten.
Überzeugend dagegen die Endspielkünste von Ralf Diele, der schon früh gesehen hatte, wie er die – eher unverdächtig wirkende – geschlossene Stellung aufbrechen konnte, um sicher zum Gewinn abzuwickeln.
Zeitnoktexperte Volker Meise hatte schon nach 14 Zügen nur noch fünf Minuten auf der Uhr und eine unklare Stellung vor sich. Michael Henkemeier hatte zwar in der Eröffnung einen Bauern gewonnen, sich aber von seiner Gegnerin in eine passive Stellung bringen lassen. Schließlich übersah er einen Zwischenzug und verlor eine Figur. Am Ende halfen auch taktische Tricks nicht mehr und der Punkt ging verloren.
Erstaunlicherweise hatte sich Volker immer noch gut gegen die Uhr gestemmt, war aber in ein schlechteres Endspiel geraten, so dass seine Gegnerin sein Remisangebot ablehnte, obwohl es ihrem Team den Sieg gebracht hätte. Letztlich fand Volker noch eine unerwartete Wendung, die die Stellung halbwegs in der Waage hielt, so dass es doch noch zum friedlichen Remis kam.
Der Kampfverlauf offenbarte deutliche Steigerungspotenziale auf Seiten der II. Im Frühjahr hat die Mannschaft die stärkeren Gegner des Feldes vor sich und da sollte es möglichst etwas überzeugender laufen.
Meschede (ehu). Der Matchwinner ist Michael. Als Ersatzmann am achten Brett holte er den entscheidenden Sieg. In einem Endspiel mit verschiedenfarbigen Läufern war sein gedeckter Freibauer nicht zu stoppen.
Leszjek Trojan – Michael Henkemeier 0:1.Michaels c-Bauer schreitet zur Dame, sein Gegner gibt auf.
So gewinnen wir zum dritten Mal in dieser Saison mit einem hauchdünnen 4,5:3,5-Vorsprung. Nur ein Sieg fehlt jetzt noch für den Klassenerhalt, denn acht Punkte sollten reichen. Das muss in den ausstehenden fünf Begegnungen doch wohl möglich sein. Hier sind die Einzelergebnisse des Kampfes:
Markus am dritten Brett produzierte eine vergnügliche Berg- und Talfahrt. Sie hätten würfeln können. Markus gewann.
Markus Henkemeier – Olaf Hollnack 1:0.
Hier ist seine Partie zum Nachspielen. Den Bewertungschart habe ich zur Ansicht darunter platziert.
Marko spielte gegen Bernhard Rittmeier, mit einer DWZ von 2208 der stärkste Spieler des SV Meschede. Nach 21 Zügen vereinbarten sie – in vorteilhafter Stellung für Marko – Remis.
Marko
Mario kam am fünften Brett gegen einen starken Gegner zu einem weiteren wichtigen Unentschieden.
Mario
Maltes Gegner am siebten Brett hielt die Stellung lange im Gleichgewicht. Doch am Ende knöpfte ihm unser Mann einen Bauern nach dem anderen ab. Mit drei Bauern im Minus gab Maltes Gegner auf und wir gingen in Führung.
Malte
Jonas lehnte am Spitzenbrett im 22. Zug ein Remisangebot seines Gegners ab und verlor später die Partie.
Hier ist seine Schlussstellung, in der er mit Weiß am Zug aufgibt.
Jonas Freiberger – Stefan Arndt 0:1.
Ich stand am vierten Brett im Endspiel klar auf Gewinn. Doch im 39. Zug unterlief mir ein Fehler, so dass ich mit Schwarz am Zug dem Dauerschach nicht mehr entkam. Hier ist meine Stellung im 39.Zug:
In obiger Stellung hätte ich Kd6 finden müssen. Ich aber zog Kd7 und die Computerbewertung sackt von -5,9 auf 0 zusammen Zuhause schlug ich mehrfach meine Stirn auf die Tischplatte wie ein pickendes Huhn. Jonas sagte, er hat sich für mich geschämt, als er sah, dass ich das nicht gewinne.
Florian am siebten Brett spielte gegen Bert Hollmann (DWZ 2105) und war der klare Underdog. Die Partie ging in die Verlängerung. Florian hielt mit Dame und Läufer lange stand gegen Dame und vier Bauern. Am Ende war seine Gegenwehr jedoch vergebens.
Durch den Mannschaftssieg kletterten wir auf den dritten Tabellenplatz:
Jonas Freiberger am Live-Brett.Jan Gustafsson – Jonas Freiberger 0:1. Im Screenshot zieht der Großmeister seinen Turm soeben ahnungslos nach a7 – bei ausreichend Bedenkzeit auch in einer Blitzpartie ein krasser Patzer. Schwupps – Jonas‘ Springer hat Gustafssons weißen Turm geschluckt. Gustafsson nimmts mit Humor.
Werther (ehu). Der eine rangiert mit 2225 Elopunkten auf Platz 771 der nationalen Rangliste, der andere mit 2591 Elopunkten auf Platz 9. Doch am Ende sackt Jonas den Punkt ein. David besiegt Goliath.
Der Schach-Bundestrainer Jan Gustafsson aus Hamburg ist Großmeister, ehemaliger Nationalspieler und ausgewiesener Eröffnungsexperte. Einst zählte er zum Sekundantenteam des Weltmeisters Magnus Carlsen. Seit 2020 betreibt er einen eigenen Streaming-Kanal auf der Plattform Twitch: JanistanTV.
Auf dem Kanal streamte er jetzt live seine Vorrunden-Partien zur Deutschen Schach-Online-Blitzmeisterschaft. Das Turnier wurde vom Deutschen Schachbund organisiert und war für alle Schachspieler offen. In der 21. Begegnung des Blitzschachturniers traf Gustafsson auf einen der besten Spieler im Altkreis: Jonas Freiberger vom SK Werther.
Der spielte unter seinem Pseudonym Mettigel mit den schwarzen Steinen und erhielt für seinen kuriosen Spitznamen prompt ein Lob des Profis: „Ein guter Name“, sagte Gustafsson.“ Schon in der Eröffnung opferte der Wertheraner einen Bauern. Gustafsson reagierte gelassen, zeigte sich aber beeindruckt von der Geschwindigkeit seines Gegners: Freiberger knallte fast jede schwarze Antwort à tempo auf das virtuelle Brett.
Trotzdem erkämpfte sich Gustafsson eine leicht bessere Stellung. Im 25. Zug aber unterlief ihm ein sehr seltener Fehler auf Großmeisterniveau: Er stellte mit ausreichend Bedenkzeit ohne Not einzügig seinen Turm ein – und gab sofort auf. Für Jonas Freiberger ein persönliches Highlight seiner Schachkarriere, für Gustafsson am Bildschirm ein Grund zum Lachen.
Am Ende des Vorrundenturniers landete Jonas Freiberger dennoch nur auf Rang 48 von knapp 450 Teilnehmern. Damit verpasste er die Qualifikation zur Endrunde, die nur für die ersten 20 Plätze freigeschaltet wurde. Anders Gustafsson: Der gewann die Vorrunde und beendete die Endrunde letztlich leicht enttäuscht auf Platz acht.
Am 24.10.2025 startete im Storck-Haus die offene Stadtmeisterschaft 2025. Erfreulicherweise hatten sich 17 Spielerinnen und Spieler angemeldet, die zum Teil auch befreundeten Schachvereinen aus der Nachbarschaft angehören.
In der Startrunde setzten sich an vielen Brettern die deutlich stärkeren Gegner durch, aber die Nachwuchskräfte des SKW zeigten erstaunliche Widerstandskraft. Sowohl Insa Schwittay als auch Joshua Ruschhaupt bereiteten ihren Gegnern massive Probleme, die diese zum Teil nur mit etwas Glück überwinden konnten. Letztlich endeten beide Partien erst kurz vor Mitternacht.
Werther (ehu). Das war ’ne knappe Kiste. Genau wie wir trat auch der SV Waltrop in Bestbesetzung an. Mit recht viel Glück gewannen wir die Begegnung. Der Verlierer dümpelt nun bis auf Weiteres im Tabellenkeller herum.
Hier sind die Einzelergebnisse:
Es stand 3,5:2,5 für uns als ich am fünften Brett nach vier Stunden Spielzeit den Siegtreffer erzielte. Jonas meinte anschließend zu mir, dass ich den Kampf für uns gerettet habe.
Weiß grübelt und zieht gleich seinen g-Bauern vor. Ich reagiere mit einem schweren Fehler: Statt den Bauern mit meinem König aufzuhalten, nehme ich für die Aufgabe den Läufer (b5 und Lc4), was die Bewertung von -5,9 auf -0,1 absacken lässt. Mein Gegner jedoch verpasst die Chance zum Remis (Kc3!). Foto: Jonas Freiberger.
Ich frohlockte. So sieht meine Schlussstellung mit den schwarzen Klötzchen aus, in der mein Gegner Dogukan Atalik (DWZ 2005) aufgab, denn mein König rückt nun unaufhaltsam dem weißen Springer auf den Pelz:
Markus am vierten Brett erspielte sich ein großes Übergewicht am Königsflügel, das schließlich in einen hübschen Mattangriff mündete:
Markus Henkemeier – Andreas Winterberg 1:0.
In der Schlussstellung hätte unser Präsident den schwarzen König auf h6 in drei einfachen Zügen mattgesetzt, das jedoch ließ sich der Waltroper nicht mehr zeigen:
Weiß setzt den schwarzen König forciert matt.
Stark spielte Florian bei seinem Saisondebüt am siebten Brett. Leider werde ich aus dem Partieformular nicht schlau, so dass ich kein Stellungsbild zeigen kann. Zumindest gibt’s ein Foto:
Dr. Rolf Breidenbach – Florian Schwartz 0:1
Einen weiteren wichtigen Sieg steuerte Jonas bei. Allerdings recht unverdient, wie ich finde: Sein Gegner verlor in besserer Stellung auf Zeit.
Im Grillrestaurant Özcan redet Jonas seine eher mäßige Partie in der Analyse schön.
Marko spielte Remis. Angesichts des knappen Erfolges war das Gold wert:
Jörn Gasper – Marko Suchland 0,5:0,5.
Die dramatischste Niederlage des Tages kassierte Jan am zweiten Brett. Er spielte – wie so häufig – als Letzter. Minutenlang hing er in einem remislichen Dame-und-Leichtfigur-Endspiel am seidenen Inkrement-Faden. Einmal sah ich, wie er seine Zeit bis auf eine Sekunde ablaufen ließ und mein Leben damit deutlich verkürzte. Am Ende verlor er durch eine profane Bauerngabel:
Jan Haskenhoff – Atilla Öztekin 0:1.Mario Ortpaul – Martin Drewes 0:1. Im Foto greift der schwarze Bauer b4 soeben Marios Springer an und zwingt unseren Mann ins Verderben. Malte Prochnow – Jan Meier 0:1. Malte opfert die Dame für Turm und Springer des Gegners.
So sah Maltes Schlussstellung mit Weiß aus. Nach dem schwarzen Damenschach ist sein Ofen aus.
Nach dem Pflichtsieg sind wir auf den dritten Platz vorgerückt. Doch die schweren Gegner kommen erst noch:
Laut Liga-Orakel werden wir mit 19,1 Prozent Wahrscheinlichkeit am Saisonende Siebter sein. Unsere Abstiegswahrscheinlichkeit hat durch den Sieg gegen Waltrop um mehr als zehn Prozent abgenommen. Sie liegt mit 32,3 Prozent aber weiterhin auf einem sorgenvollen Level:
Der SK Werther 1949 e.V. lädt hiermit alle Schachspieler herzlich zur Offenen Schach-Stadtmeisterschaft 2025 ein. Beginn: 24.10.2025 um 20.00 Uhr im Storck-Haus Alte Bielefelder Straße 14, 33824 Werther.
Modus: Die Anzahl der Runden und der Modus hängen von der Teilnehmerzahl ab: Bis zu 6 Spieler: Jeder gegen Jeden Ab 7 Spieler: 5 Runden Schweizer System
Bedenkzeit: 90 Minuten pro Spieler und Partie, zuzüglich 30 Sekunden Inkrement ab dem 1.Zug DWZ-Auswertung
Termine: 1.Runde: 24.10.2025 um 20.00 Uhr 2.Runde: 07.11.2025 um 19.30 Uhr 3.Runde: 21.11.2025 um 19.30 Uhr 4.Runde: 05.12.2025 um 19.30 Uhr 5.Runde: 09.01.2026 um 19.30 Uhr
Wenn Schweizer System gespielt wird, wird die Möglichkeit bestehen, in den Runden 1 – 4 eine Runde auszusetzen („Bye“), man erhält dann einen halben Punkt. Das Bye (nur eins ist möglich) muss bis zum Mittwoch vor der Runde per Mail (s. u.) angemeldet werden. In gegenseitigem Einvernehmen dürfen Partien bis Mittwoch vor der nächsten Runde nachgeholt werden.
Hamm (ehu). Es rumst. Eine Druckwelle bringt die Einfachverglasung des Spielsaals zum Klirren. Wir blicken erschrocken – die heimischen Spieler lächeln.
Der 282 Meter hohe Turm am RWE Gersteinwerk wurde soeben gesprengt, während wir nur zweieinhalb Kilometer Luftlinie entfernt Schach spielen. Hier ein Link zum Sprengvideo: https://www.youtube.com/watch?v=fr7rg3__DOE
Eigentlich hätte die Sprengung genau um 11 Uhr morgens erfolgen sollen. Doch kracht der Turm erst eine halbe Stunde später zu Boden. Das Ereignis müsse ich unbedingt als Wortspiel einbauen in meinen Beitrag zum Kampf, raten mir meine Mannschaftskameraden.
Ich finde das ein wenig naiv – aber gut: Kaum eine halbe Stunde nach dem Klirren der Scheiben sprenge ich mit meinem Turm die schwarze Verteidigung des Fidemeisters Manuel Dargel.
Ungeduscht und abgeranzt sitze ich da und spiele eine Glanzpartie: Ekkehard Hufendiek – FM Manuel Dargel 1:0. Nach meinem Turmeinschlag auf d6 hat Schwarz soeben Lh3 gezogen. Ich spiegele mit La3 und gewinne im Hurrastil. Foto: Mesud Mujanovic.
So produziere ich mit Weiß einen Kracher, ein Hammerstück, eine wilde Glanzpartie – zumindest für meinen Maßstab. Das Einstiegsopfer auf e6 ist leider inkorrekt, doch opfere ich eher aus dem Bauch heraus – à la Michael Tal, da ich in der Nacht zuvor kaum geschlafen hatte. Die Notation des Prunkstücks stopfe ich abends glückselig in mein Kopfkissen. Hier ist sie in voller Pracht:
In der Schlussstellung lässt sich Manuel Dargel den Turmgewinn nicht mehr zeigen. Egal wohin der König ausweicht, entweder ich erobere mit Schach seinen Turm auf c1 oder auf h8:
Mit meinem vollen Punkt am dritten Brett war nicht zu rechnen. Denn ersatzgeschwächt traten wir an ohne unsere drei Stammspieler Marko Suchland (Brett 3), Markus Henkemeier (Brett 4) und Florian Schwartz (Brett 7). Während die Gastgeber in Bestbesetzung an den Brettern saßen.
Doch auch Jonas spielte glanzvoll, allerdings erst in einem total ausgeglichenen und scheinbar harmlosen Leichtfigurenendspiel. Nachdem sein Gegner im Mittelspiel eine Zugwiederholung verschmähte, nahm der Mann aus Hamm die Partie später vermutlich auf die leichte Schulter:
Jonas Schlussstellung ist typisch für unseren Spitzenspieler. Dem Schachgebot entkommt der schwarze König nur unter Materialverlust – sollte er nach e6 ausweichen, könnte zum Beispiel Sc7+, Kd6 und Sb5+ mit Läuferverlust folgen. So geht also zwangsläufig entweder der Bauer auf f6 oder e5 verloren – Schwarz gab auf. Mit dem Springer in der Hand ist Jonas eine Macht:
Wir führten zwischenzeitlich 2:1 und kamen einer Überaschung ziemlich nah. Denn an Brett 5 und 7 erkämpften Malte und Joshua gegen starke Gegner eine Punkteteilung. Kläglich jedoch gingen wir an den geraden Brettern 2,4,6 und 8 baden.
Jürgen Happel – Volker Meise 1:0; dahinter Joshua Schramm – Alexander Maaß 0,5:0,5.Joshua (v.l.), Mesud und Malte analysieren Mesuds Niederlage mit den schwarzen Steinen. Sie lächeln, weil Mesud kurioserweise konsequent vermied, seine Schwerfiguren ins Spiel zu bringen – Turmallergie.Dr. Ingo Schmidt (2066) – Mario Ortpaul (1981) 1:0. Unserem Mann ging die Dame flöten.
Der Gastgeber führte schließlich 4:3 als Jan am zweiten Brett seine Gegenwehr einstellte. Sein Remisangebot in Verluststellung bezeichnete er selbst als „frech“. Das anmaßende Angebot lehnte sein Gegner lächelnd ab.
Jan steht hinten drin und wehrt sich mit Schwarz vergeblich.
Hier die Einzelergebnisse:
Die Tabelle ist kaum aussagekräftig. Denn zwei Mannschaftkämpfe des zweiten Spieltags wurden in den November verlegt. Ich zeige sie trotzdem:
Die Einschätzung des Liga-Orakels wirkt bedrohlich – die Abstiegswahrscheinlichkeit beträgt nach unserer Pleite gegen Hamm jetzt 43,6 Prozent. Sie ist damit so hoch wie nie.