Japaner gewinnt Schloss-Open

Werther (ehu). Kan Nakahara hat die 29. Ausgabe des Schloss-Opens gewonnen. In sieben Runden holte der 21-Jährige aus dem Land der aufgehenden Sonne 5,5 Punkte. Zweiter wurde mit 5 Punkten Pascal Brunke von der Schachgemeinschaft Bünde punktgleich vor dem Fidemeister Oliver Kniest von der Schachgesellschaft Solingen.

Kan Nakahara (Elo 2171) trägt den Titel eines Candidate Masters. Nach eigener Aussage strebt der 21-Jährige den Großmeistertitel an.

Kan Nakahara studiert in Osaka Medizin. Drei Wochen verbringt er derzeit in Deutschland. Dann reist er nach Budapest für ein weiteres Schachturnier.

Vor der Schlussrunde lag Kan Nakahara einen halben Punkt hinter dem führenden Pascal Brunke zurück. Um den Pokal und die 800 Euro Geldpreis einzustreichen, musste Nakahara gewinnen, während Brunke ein Remis zum Turniersieg gereicht hätte. Mit den schwarzen Steinen spielte Nakahara kompromisslos auf Sieg. Brunkes Remisangebot lehnte er daher ab.

„Ich war sehr nervös“, sagte der sympathische Japaner später. Seine Hand zitterte, während er die Figuren übers Brett zog. Trotz zitternder Hand baute er schon in der Eröffnung mächtig Druck gegen die gegnerische Dame auf. Pascal Brunke sah sich gezwungen, seine wertvollste Figur für zwei Leichtfiguren zu opfern.

Nakahara ließ nicht locker und setzte weiter stark fort. Als er Brunkes letzte Hoffnung – einen Freibauern – taktisch versiert vom Brett pflückte, erhielt der Japaner eine Gewinnstellung, die der Computer mit knapp fünf Bauerneinheiten Vorteil für Nakahara bewertet. Im 37. Zug nahm er die Glückwünsche seines Gegners entgegen. Nach Angabe Nakaharas war sein Sieg in der Schlussrunde zugleich sein schönster im Turnier. Die Partie ist zum Nachspielen angefügt:

Wie stark der Japaner spielte, verdeutlicht der Partiechart:

Sein Weg zum Turniererfolg sieht so aus:

Der Favorit Pascal Brunke von der Schachgemeinschaft Bünde muss in der Schlussrunde mit Weiß eine bittere Niederlage gegen den späteren Turniersieger hinnehmen.

Im Vergleich zu den Vorjahren war das Teilnehmerfeld im A-Open schwach besetzt. Erstmals seit vielen Jahren spielten weder Großmeister noch internationale Meister mit. IM Bogdan Bilovil, der das Turnier zuletzt dreimal in Serie gewann, weilt derzeit in den USA. Zudem veranstaltete der SK Münster zur gleichen Zeit ein höher dotiertes Open, so dass einige Stammgäste dem Turnier fernblieben.

Pascal Brunke ging mit einer Elozahl von 2276 als Setzlistenerster ins Rennen. Brunke kam zunächst seiner Favoritenrolle nach. Robin Bentel von den Schachfreunden Lieme spielte er mit den schwarzen Steinen schwindelig. Im 26. Zug zertrümmerte er mit einem hübschen Turmeinschlag auf e4 das schützende Bauernschild vor dem gegnerischen König und sackte wenig später den vollen Punkt ein:

Auch diese Partie ist zum Nachspielen angefügt.

Die 13-jährige Lilian Schirmbeck war die einzige Vertreterin aus dem Altkreis in der A-Gruppe. Die Hochbegabte fand nicht ins Turnier und blieb mit 1,5 Punkten unter der Erwartung. Sie setzte in der zweiten Runde aus und zog sich vor der Schlussrunde vom Turnier zurück.

Die Meisterkandidatin Lilian Schirmbeck aus Halle fand als jüngste Teilnehmerin der A-Gruppe nicht ins Turnier hinein. Vor der Schlussrunde stieg sie aus dem Wettbewerb aus.

Lilian Schirmbecks Turnierverlauf:

Lokalmatador Jonas Freiberger vom ausrichtenden Verein SK Werther verzichtete auf eine Teilnahme, weil er bei den NRW-Einzelblitzmeisterschaften antrat. Das tat er sehr erfolgreich: Er wurde nach 20 Runden NRW-Vizemeister und qualifizierte sich für die Deutschen Blitzeinzelmeisterschaft im Juli in Dresden.

Die vier Gruppenersten auf einen Blick:

Stefan Giese (v.l., Sieger B-Gruppe von den SF St. Johannes Spelle), Kan Nakahara (A-Gruppe, Japan), Kevin Kleinelümern (C-Gruppe, Gütersloher SV) und Paul Böckmann (D-Gruppe, Sk Werther).

Und hier noch ein paar Fotos in loser Folge:

Fidemeister Holger Hebbinghaus vom SK Doppelbauer Kiel schrappte als Achtplatzierter knapp an den Preisrängen vorbei.
Andreas Diembeck vom SK Werther trat in der C-Gruppe an.
Blick auf die Bretter der B-Gruppe. Es gibt Applaus für die Veranstalter zum Turnierstart.
Eric Oevermann vom SK Minden hängt sich rein. Er wird am Ende Dritter der B-Gruppe.
Rundenstart in der A-Gruppe.
Alexander Hilverda (2216) hat vor einigen Jahren das Turnier gewonnen. Diesmal muss er mit dem 18. Platz vorliebnehmen.
Die 16-jährige Luna Vogt vom Bielefelder SK fegt in der Auftaktrunde den Berichterstatter vom Brett.
Fidemeister Volodymyr Medvedyk von den Schachfreunden Korbach verliert die Vorschlussrunde am ersten Brett der A-Gruppe gegen den Turnierfavoriten Pascal Brunke von der Schachgemeinschaft Bünde.
Kampf um den Turniersieg in der Schlussrunde: Pascal Brunke (l.) gegen Kan Nakahara.
Peter Scholz von der SG Ennigerloh-Oelde verliert mit Schwarz gegen Jouke Algra aus den Niederlanden.
Anton Engst und Kirsten Bünte nebeneinander. Im unteren Bild spielen sie gegeneinander.
Kirsten Bünte vom Rhedaer SV spielt Remis gegen Anton Engst von der SG Weisse Dame Hamburg.
Stefan Giese (l.) von den SF St. Johannres Spelle bezwingt in der ersten Runde des B-Opens Ralf Bascheck vom Brackweder SK.
Felix Linnebrügger vom SK Werther verliert die zweite Runde des B-Opens gegen David Slusarski.
Martin Hauke vom SK Werther hat das zweite Turnier seines Lebens erfolgreich beendet.
Die Schlussrunde der B-Gruppe. Maximilian Jürgenpott vom SV Osnabrück im rosa Hoodie schlägt den Berichterstatter.
Schiedsrichter Bernhard Sahrhage (v.l.), Vorsitzender Markus Henkemeier und Schiedsrichter Christian Jackl begrüßen knapp 200 Teilnehmer in vier Spielstärkegruppen.
Uhrenproblem in der C-Gruppe. Bernhard Sahrhage greift ein.
Schlussrunde in der D-Gruppe: Lorenz Kowalzik (l.) vom SK Turm Lage gegen Jonathan Groß vom Bielefelder SK. Groß gewinnt.
Simon Fischermann von der SG Porz bezwingt mit den weißen Steinen Luna Vogt vom Bielefelder SK.
Vereinsduell im Vordergrund: Andreas Diembeck (rechts) gegen Joschua Schramm 0,5:0,5.
Rebecca Browning vom Schachverein Märkischer Springer Halver-Schalksmühle düpiert zum Auftakt des A-Opens den Fidemeister Volodymyr Medvedyk von den Schachfreunden Korbach.
Analyse im Innenhof.
Der Vizelandesmeister im Blitzschach Jonas Freiberger (l.) und der verlorene Sohn des SK Werther, Karl Ulrich Goecke, bei der Auswertung des Turniers.
Erstmals auf mein Bestreben broadcastete die Plattform lichess unser Turnier. Die elf ersten Bretter wurden übertragen mit Bewertungsanzeige bei 20 Minuten Delay. In der Spitze verzeichneten wir eine Zuschauerzahl im hohen einstelligen Bereich.

Und hier die Links zu den vier Gruppen:

A-Open: https://s1.chess-results.com/tnr1308592.aspx?lan=0

B-Open: https://s2.chess-results.com/tnr1308597.aspx?lan=0

C-Open: https://s2.chess-results.com/tnr1308600.aspx?lan=0

D-Open: https://s2.chess-results.com/tnr1308602.aspx?lan=0

Kinder- und Jugendopen: https://s2.chess-results.com/tnr1308603.aspx?lan=0

Jonas ist Vizelandesmeister im Blitzschach

Wuppertal (ehu).

Jonas ging als Setzlistenfünfter ins Rennen. Er holte 14 Punkte aus 20 Partien, remisierte zweimal, verlor fünfmal, gewann 13 Mal. „Zwischendurch habe ich echt scheiße gespielt“, sagte er im Anschluss. Der Vizemeistertitel berechtigt zur Teilnahme an der Deutschen Blitzeinzelmeisterschaft am 26. Juli in Dresden.

NRW-Klasse 8. Spieltag: SK Werther – SV Eichlinghofen 5:3

Werther (ehu). Wir haben uns auf den dritten Tabellenplatz vorgekämpft. Wer hätte das gedacht? Relativ schwach besetzt traten die Gäste aus dem Raum Dortmund im Storck-Haus an. Entsprechend ungefährdet war unser Sieg. Nun wird der Tabellenvorletzte SV Eichlinghofen absteigen.

Hier sind die Einzelergebnisse:

In der Chronologie des Spielverlaufs remisiert zuerst Mario mit Schwarz an Brett 5:

Fehlerlos agiert Mario in der Eröffnung.

Seine Schlussstellung ist ausgeglichen:

Der Partiechart rechtfertigt sein frühes Remisangebot im 20. Zug. Im Sinne der Mannschaft jedoch hätte ich weitergespielt:

Jonas gelingt anschließend an Brett 1 ein glücklicher Schwarzsieg.

Jonas setzt die Uhr in Gang.

Unser Spitzenmann steht nach einem Fehler im 19. Zug auf Verlust. Im Höchstwert beträgt sein Nachteil etwas mehr als vier Bauerneinheiten. Doch wie ein feuchtes Stück Seife glitscht er seinem Gegner aus der Hand. Niedlich ist sein siegbringender Bauernzug b3 kurz vor Schluss der Partie. Nachspielen!:

Jonas‘ Berg- und Talfahrt:

Der Depp des Tages bin ich. Risikofreudig opfere ich an Brett 4 in der Eröffnung einen Springer. Kurz darauf zielen meine Läufer siegverheißend in Richtung Königsstellung. Mein Vorteil beläuft sich in der Spitze auf mehr als vier Bauerneinheiten. Ich rechne mit Zähneklappern bei meinem Gegner und plane, die Notation abends über mein Bett zu hängen. Doch dann verliere ich den Überblick und werde auch noch mattgesetzt – wie ein Mädchen.

Katharsis in der Psychologie gilt zwar als widerlegt, doch wer sich Reinigung durch Schadenfreude verspricht, dem sei das Stück zum Nachspielen empfohlen:

Florian an Brett 6 agiert mit Weiß zurückhaltend. Dem Eindringen eines schwarzen Turms auf die zweite Reihe setzt er wenig entgegen. Schließlich patzt er und scheint früher oder später aufgeben zu müssen, denn der Computer berechnet seinen Nachteil auf Minus fünf Bauerneinheiten. In einem total verlorenen Turmendspiel bleibt er dennoch zäh und entwischt verdient ins Remis.

Hier ist seine Schlussstellung, in der er das Schlimmste längst überstanden hat:

Und hier sein Chart:

Jan an Brett 2 kommt immer besser in Fahrt. Er hat seinem Konto jetzt den dritten vollen Punkt beigefügt. Sein verschwenderischer Umgang mit der Zeit indes hat sich kaum gebessert. 36 Minuten zeigt seine Uhr nach dem neunten Zug an.

Jans Schlussdiagramm:

Von strategischen Herausforderungen erzählen die Ungenauigkeiten auf beiden Seiten:

Marko sitzt an Brett 3 dem nominell stärksten Spieler der Gäste gegenüber – DWZ 2094. Dennoch nagelt er seinen Kontrahenten an die Wand als wäre der ein Fliegengewicht – eine Glanzpartie:

Michael Brockmann – Marko Suchland 0:1.

Hier ist das Schmuckstück zum Genießen:

Beim Spielstand von 4:2 aus unserer Sicht laufen noch zwei Partien am siebten und achten Brett.

Malte an Brett 7 wehrt sich tapfer, ist aber einem weit vorgerückten Freibauern des Weißen hilflos ausgeliefert.

Malte greift im nächsten Zug mit seinem König den weißen Turm an. Der rückt ein Feld zur Seite – ein Patzer, doch Malte verpasst in der Folge die versteckte Chance zum Remis.

Nur einmal bekommt er in scheinbar verlorener Stellung die Chance zum Ausgleich: Was hättet ihr gezogen?:

Von den vielen Verlockungen remisiert nur der Zug Tf8 – darauf wäre ich im Leben nicht gekommen. Malte zieht stattdessen b5 – hätte ich auch versucht. Der Computer fällt in Ohnmacht: Von 0,00 springt die Bewertung auf 5,5. Nach vier weiteren Zügen reicht Malte die Hand zur Aufgabe. Der Partiechart:

So liegt der Mannschaftsieg in der Hand unseres Ersatzmannes Michael an Brett 8:

Michael Henkemeier gewinnt im nächsten Zug den Springer.

Michael spielt stark, erfüllt die Erwartungen und erschafft zusätzlich eine vergnügliche Perle: Wie aus dem Nichts zaubert er eine schachliche Anekdote aufs Brett, und zwar durch das Nichtausführen des weißen Vorstoßes e6 im 36. Zug – mehr auf der Hand liegen kann ein Zug kaum.

Der Chart spricht für sich, ebenso die kuriose Zugfolge des Mittel- und Endspiels, die daher in voller Länge angefügt ist:

Zum Schluss die Tabelle:

Und der Link zur Schachbundseite der NRW-Klasse: https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=nrw-k1

NRW-Klasse 7. Spieltag: SK Werther – SC Hansa Dortmund 5:3

Werther (ehu). Klassenerhalt! Mit einem souveränen 5:3-Sieg haben wir den SC Hansa Dortmund zurück ins Ruhrgebiet geschickt. Zwei Spieltage vor dem Ende sichern wir uns damit für ein weiteres Jahr das Spielrecht in der NRW-Klasse – Saisonziel erreicht. Hier die Einzelergebnisse:

Beeindruckend ist der Sieg von Jonas an Brett 1 gegen den Internationalen Meister Vyacheslav Klyuner. Der ist mit einer Elozahl von 2427 der nominell stärkste Spieler der Liga. Nach mutiger Eröffnungswahl hat unser Spitzenspieler den IM gut im Griff.

Handschlag zum Partiestart. IM Vyacheslav Klyuner – Jonas Freiberger 0:1.

Jonas beginnt grandios, bietet einen Bauern preis und überspielt den IM schon in der Eröffnung. Nach dem zwölften weißen Zug beträgt der schwarze Vorteil mehr als drei Bauerneinheiten – Jonas steht auf Gewinn.

Dann aber lässt er Luft in die Stellung und Klyuner bekommt Gegenspiel. „Das ist der Grund, warum ich kein Meister bin“, sagt Jonas später in der Analyse im Restaurant Outside.

Das Ende der Partie ist absurd und raubt dem Spiel den Schauwert: Denn der IM patzt ohne Not einzügig seinen Springer ein. Obwohl Mittelteil und Ende der Partie unbefriedigend sind, füge ich die Notation zum Nachspielen an. Denn schließlich ist es laut Jonas sein erster Sieg mit Schwarz gegen einen Spieler dieser Klasse:

Nicht mehr als zwei Ungenauigkeiten des Schwarzspielers zeigt der Partiechart an:

An Brett 2 gerät Jans König im Schachhagel der schwarzen Dame unter die Räder.

Jan Haskenhoff – Jannik Sundorf (2171) 0:1.

In der Eröffnung agieren beide Kontrahenten umsichtig und halten den Laden zusammen. Erst Jans Bauernraub im 19. Zug schaufelt am eigenen Grab. Drei Züge später hebt er sein Grab noch tiefer aus, als er den groben Fehler f4 aufs Brett hackt.

Jans entblößter König wirft sich dadurch ungewollt der gegnerischen Dame zum Fraß vor. Die Dame reiht Schachgebot an Schachgebot und treibt den König vor sich her. Einen Zug vor dem Matt gibt Jan auf. Hier ist seine Schlussstellung und sein Partieverlauf:

Marko an Brett 3 bietet nach nur 20 Zügen Remis an. Der Partie mangelt es augenscheinlich an Höhepunkten.

Marko Suchland.

Die Schlussstellung ist total ausgeglichen. Ich hätte trotzdem weitergespielt:

Sein Chart ist an Armut kaum zu überbieten:

An Brett 4 führt Markus die weißen Steine.

Markus Henkemeier.

Nach einer wilden Berg- und Talfahrt trägt sein Partiechart im Schlussdrittel Zacken wie ein Hahnenkamm. Neun grobe Patzer in vierzig Zügen sind rekordverdächtig- drei auf der einen, sechs auf der anderen Seite. Das verleiht dem Stück einen drolligen Seltenheitswert. Das Nachspielen lohnt sich vor allem ab Zug 22.:

An Brett 5 habe ich die Nase voll von den schwarzen Steinen: In sechs von sieben Partien der Saison musste ich die Aufschläge meiner Gegner returnieren.

Immerhin aber gelingt mir das so gut wie selten. Mein einziges elementares Lebensziel – Elo und DWZ Ü-2000 – rückt wieder in greifbare Nähe. Dann höre ich endlich auf mit der Klötzchenschieberei und kann glücklich sterben.

Simon Krüger (1950) – Ekkehard Hufendiek 0:1. Foto: Mario Ortpaul

Hier meine Schlussstellung in der Weiß das Matt in zwei Zügen (Tg2+ gefolgt von Sg3) nur unter sinnlosen Opfern abwehren kann. Stattdessen gibt mein Gegner auf und so meißele ich das 5:3-Endergebnis und den Klassenerhalt um zirka 15.15 Uhr in Stein:

Simon Krüger – Ekkehard Hufendiek 0:1.

Mein Partiechart:

Zuvor hat Mario an Brett 6 eine hübsche Königsjagd entfesselt. In der Schlussstellung droht er mit den weißen Steinen Matt auf c7. Das kann nur mit einem Springer-, Turm- oder Damenopfer abgewehrt werden.

Mario Ortpaul – Yi Lin (1933) 1:0.

Marios Schlussstellung:

Marios Partiechart:

Malte an Brett 7 erarbeitet sich mühsam einen gewinnverheißenden Vorteil.

Lars Schäpers – Malte Prochnow 0,5:0,5.

Dank seinem entfernten Freibauern auf der a-Linie erreicht sein Vorteil drei Bauerneinheiten. Doch stellt Malte den Bauern in einem Moment der Unachtsamkeit ein und die Partie endet in der Punkteteilung. Das Diagramm zeigt den Unglücksmoment Tb3. Jetzt geht der a-Bauer nach der weißen Antwort Ta1 flöten:

Maltes Partiechart:

Fahrlässig hat unser Ersatzmann Felix Linnenbrügger im Diagramm unten an Brett 8 seinen g-Bauern vorgezogen.

Felix Linnenbrügger – Georg Wolffgang (1948) 0:1.

Der Computer stöhnt: Felix‘ komfortabler Vorteil schlittert ins deutliche Minus. Denn der Schaden vor dem eigenen Königshaus ist irreparabel. Der blassgrüne Pfeil im Diagramm zeigt eine druckvolle Alternative für Weiß an – Db3. Von dort nimmt die Dame per Röntgenblick den Schwachpunkt e6 ins Visier, – das wärs gewesen:

In der Tabelle sind wir auf den vierten Platz geklettert und befinden uns in der Komfortzone.

Das Ligaorakel hat die Wahrscheinlichkeit für unseren Verbleib in der NRW-Klasse auf satte 99 Prozent hochgestuft:

Zum Schluss der Link zur Schachbundseite der NRW-Klasse 1: https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=nrw-k1

NRW-Klasse 6. Spieltag: SK Münster II – SK Werther 5:3

Werther (ehu). Marko gebührt am dritten Brett der Schönheitspreis des Tages. Hübsch opferte er im Endspiel seine Dame. So ebnete er im Duell mit Aaron Kamp (DWZ 2081) seinem weit vorgerückten h-Bauern den Weg zur Umwandlung. Das einminütige Video hält das finale Damenopfer fest, wonach sein Gegner sofort aufgibt:

Marko am dritten Brett.

Markos Schlussstellung ist ein Diagramm wert:

Ein paar Züge zuvor zieht Marko im Foto Dg7 und bietet damit erstmals seine Dame preis. Doch die darf Schwarz nicht nehmen.

Markos Chart zeigt, dass der Weg zum weißen Sieg alles andere als trivial war:

Zum Nachspielen ist seine Partie angefügt. Im Endspiel unterläuft ihm im 67. Zug ein Fehler, der die Stellungsbewertung kurzfristig von 3,55 Plus auf 0,06 herabrauschen lässt. Doch wer hätte in der Stellung nicht ebenfalls f5 gezogen?

Ich saß neben ihm und agierte ziemlich kopflos. Naiv opferte ich am vierten Brett in der Eröffnung Springer und Läufer für Turm und Bauer.

Mein Gegner stand danach klar auf Gewinn und verbesserte Zug um Zug seine Stellung. Nach 54 Zügen gab ich endlich auf. Ich fragte nach einer gemeinsamen Analyse und ging in den Analyseraum. Doch mein Gegner kam nicht. Vielleicht war ihm die Partie zu einseitig oder er ist einfach unhöflich – keine Ahnung. So analysierte ich das Trauerspiel erst alleine und dann kurz mit Jonas.

Das ist meine Schlussstellung mit den schwarzen Steinen. Mein Gegner spielte mit 99 Prozent Genauigkeit ziemlich gut – ich hab’s ihm sehr leicht gemacht:

Doch nicht allein meinetwegen verloren wir den Kampf. Ersatzgeschwächt waren unsere Chancen ohnehin gering. Denn Markus und Florian sagten ab.

Kurz vor dem Start des Kampfes.

Zu unserer Überraschung trat die zweite Mannschaft des SK Münster ebenfalls deutlich schwächer als üblich an die Bretter. Davon gespürt haben wir leider kaum etwas. Hier die Einzelergebnisse:

Einen schönen Einzelerfolg aus unserer Sicht zum Auftakt der Begegnung feierte Insa am siebten Brett:

So sieht ihre Schlussstellung mit Weiß nach nur 21 Zügen aus:

Null Fehler, null Patzer und nur eine Ungenauigkeit sagt ihr Analyseverlauf – stark:

Kann es sein, dass sie die erste weibliche Spielerin ist, die für den SK Werther in der NRW-Klasse einen Punkt geholt hat? Oder ist es sogar so, dass sie überhaupt die erste weibliche Spielerin ist, die jemals für die erste Mannschaft des SKW gespielt hat? Siegreich noch dazu.

Wer hat den Frauen 1918 eigentlich das Wahlrecht zugestanden? Und wer hat ihnen schon vier Jahrzehnte später die männliche Vormundschaft entzogen? Seitdem erleben wir einen Dammbruch nach dem anderen. Sollen die „Wesen zweiter Klasse“ (Schopenhauer) etwa irgendwann das gleiche Geld verdienen wir wir? Und uns dann womöglich auch noch am Schachbrett eine lange Nase zeigen?

Zur Ehrenrettung steuerte Jan am zweiten Brett einen Sieg des überlegenen männlichen Geistes bei.

Jans letzter Zug ist Lf2, sein Gegner gibt in der folgenden Stellung auf:

Und hier ist sein Analyseverlauf. 97 Prozent Genauigkeit ist ein mannschaftsinterner Rekord:

Jonas, Mario, Malte und Ilya verloren ihre Partien.

Jonas erkältet am ersten Brett.

Jonas opferte fatalerweise auf g6 einen Springer. Sein Gegner verteidigte sich akkurat. So ergab sich unser Spitzenspieler später seinem Schicksal und baute mehr oder weniger ein Selbstmatt. Hier ist das Matt und der Partiechart:

Im Schlussdrittel ließ ihm der Münsteraner keine Chance:

Mario am fünften Brett strich im Turmendspiel die Segel.

Mario

Im 20. Zug bot er Remis. Die Stellung war zu diesem Zeitpunkt total ausgeglichen. Doch sein Gegner lehnte ab. Ein paar Züge später ging es bergab für unseren Mann, weil Mario anscheinend die TurKMenistan-Regel nicht ausreichend beherzigte (Turmaktivität vor Königsaktivität vor Material). Hier ist seine Schlussstellung mit den weißen Steinen:

Marios Chartverlauf zeigt die späte Talfahrt:

Maltes Partie am sechsten Brett war nach seiner Aussage ein „Auf und Ab“. Sein Partiechart untermauert seine Einschätzung. Zwischenzeitlich erarbeitete sich Malte einen Vorteil von 5,8 Bauerneinheiten. Ich hätte mir ins Knie gebissen, wenn ich das noch verloren hätte. Malte verlor und biss sich nicht ins Knie.

Malte

Mit Schwarz am Zug unterlief ihm im 35. Zug ein schwerer Fehler, der seinen gesamten Vorteil zunichte machte. Er spielte nämlich im folgenden Stellungsbild das naheliegende Sxc1, doch der beste Zug ist Sf6!. Möglicherweise hätten wir danach zumindest einen Punkt aus dem Mannschaftskampf mit nach Hause genommen:

Jood Alhamwi – Malte Prochnow 1:0.

Eine letzte, versteckte Möglichkeit zum Ausgleich vergab Malte kurz vor Schluss – ziemlich aufregende Partie. Hier ist noch einmal die bemerkenswerte Ausgleichmöglichkeit, die ich als Beobachter an der Seite ebenfalls nicht erkannte. Was hättet ihr in der Stellung gezogen? Es droht Damenverlust; wer kommt da schon auf den Zug Ka7? Malte gab stattdessen die Qualität und reichte wenig später die Hand zur Aufgabe:

Die weiße Springergabel scheint zu gewinnen. Doch die schwarze Antwort Ka7! reicht zum Ausgleich. Eine nette kleine Taktikaufgabe.

Maltes „Auf und Ab“ als Chart:

Ilya, der sich netterweise sehr kurzfristig für den krankheitsbedingt ausgefallen Florian als Ersatzmann ans achte Brett setzte, produzierte eine Kurzpartie zu seinen Ungunsten: Nach 18 Zügen war Schluss. In einer Wiener Partie unterlief ihm im vierten Zug mit Schwarz ein folgenschwerer Fehler: Sc6??. Danach ist die Partie kaum noch zu retten. Richtig wäre d5 gewesen:

Schwarz beantwortet den Zug f4 mit dem Fehler Sc6: Luis Philipp – Ilya Zolothyk 1:0.

Wir haben gegen den stark ersatzgeschwächten SK Münster II eine gute Gelegenheit zum vorzeitigen Klassenerhalt verpasst. Unsere Tabellensituation hat sich kaum verändert, wir bleiben Fünfter. Nach Brettpunkten hingegen wären wir nur Siebter:

Und hier der Link zur Ergebnisseite des Deutschen Schachbundes: https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=nrw-k1

NRW-Klasse 5. Spieltag: SK Werther – SK BS Paderborn 2:6

Werther (ehu). Das war nichts. Gegen den Tabellenführer haben wir alt ausgesehen. Hier die Einzelergebnisse:

Nur Felix an Brett 8 inszeniert mit Weiß einen hübschen Königsangriff und sackt verdient einen vollen Punkt ein.

Felix Linnenbrügger – Heinz-Gerd Zurgeißel 1:0.

Der Computer bewertet seinen Vorteil in der folgenden Schlussstellung auf knapp sieben Bauerneinheiten:

Die Ansicht des Partieverlaufs zeigt wie stark Felix gespielt hat – 95 Prozent Genauigkeit :

Zur Ergebniskosmetik steuern Marko und ich je einen halben Punkt bei. Marko spielt an Brett 3 sicher und souverän:

Björn Augner – Marko Suchland 0,5:0,5.

Einmal verpasst er eine Chance auf Vorteil, wie sein Chart zeigt:

Am Ende ist Markos Stellungsbild ein staubtrockenes 0,00:

Ich hingegen patze mit Schwarz an Brett 5 schon in der Eröffnung. Ein Blick reicht auf meine völlig zerzauste Bauernstruktur und meinen unsicheren König – totale Pleitestellung nach nur 13 Zügen:

Dennis Janyska – Ekkehard Hufendiek 0,5:0,5.

Doch mein Gegner findet keinen Ausknipser. Zudem wehre ich mich nach Kräften. Im 25. Zug forciert der Paderborner schließlich den Damentausch, was letztlich seinen Vorteil minimiert und zum Ausgleich führt. Meine Schlussstellung sieht so aus:

Dennis Janyska – Ekkehard Hufendiek 0,5:0,5.

Mein Chart zeigt den Patzer in der Eröffnung:

An allen anderen Brettern sind wir leer ausgegangen.

Brett 1 mit Foto und Partie zum Nachspielen:

FM Maurin Möller – Jonas Freiberger 1:0.

Jonas‘ Partiechart:

Brett 2:

Jan Haskenhoff – Niklas Schlangenotto 0:1.

Sein entscheidender Fehler passiert in leicht schlechter Stellung:

Jans Chart zeigt seinen Einbruch in Zeitnot am Ende:

Exorbitant ist Jans Zeitverbrauch. Das Foto unten zeigt den Uhrenstand vor seinem achten! Zug. Er befindet sich also noch in der Eröffnung und hat schon eine Stunde seiner Zeit hineingesteckt. Und es geht weiter: Jan grübelt und grübelt und grübelt.

Nach dem schwarzen Zug Lb4 steckt Jan viel mehr Zeit in das Stellungsproblem als nötig – und findet noch dazu eine zweifelhafte Lösung.

Die Qualität seiner Züge ist zwar gut und im Gegensatz zu mir baut er keine Patzer ein, doch schraubt er seine Zeit schier unaufhaltsam in den Inkrementmodus. Wer empfahl einst, nicht mehr als 20 Minuten pro Zug zu investieren? Ich weiß es nicht mehr. Darüber hinaus gefällte Entscheidungen seien jedenfalls meist schlecht. Die Aussage trifft: In Zeitnot unterläuft unserem Physiker schließlich der obige spielentscheidende Fehler.

Brett 4:

Markus Henkemeier – Kevin Kesselmeier 0:1.

Markus Schlussstellung:

Und sein Partiechart:

Brett 6:

Mario Ortpaul – Moritz Hötte 0:1.

Marios Schlussstellung:

Und Marios Chart:

Brett 7:

Professor Dr. Michael Bösch – Malte Prochnow 1:0.

Das Schlussbild:

Maltes Verlauf – die Partie wird ihm keinen Spaß gemacht haben:

Die Mannschaftsniederlage können wir verkraften. Die fehlenden zwei Punkte werden wir in einigen chancenreicheren Begegnungen holen – zum Beispiel gegen Eichlinghofen. In der Tabelle sind wir ins Mittelfeld abgerutscht:

Der Abschluss der fünften Runde ist ein guter Zeitpunkt für eine mannschaftsinterne Zwischenbilanz. Demnach führen die Scorerliste Markus mit 3 aus 4 und ich mit 3,5 aus 5 an:

Zum Abschluss der Link zur Ergebnisseite der NRW-Klasse des Schachbundes: https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=nrw-k1

Schachtürkencup 2025 – ein Desaster

Paderborn (ehu). Meine Lieblingsfigur aus dem Comic „Streit um Asterix“ heißt Taubenus – ein Spezialist für „psychologische Kriegsführung“.

Taubenus spiegelt bildlich ziemlich genau meinen Gemütszustand wider nach dem Geschehen in der fünften Runde des Schachtürkencups in Paderborn. Dort produzierte ich die wohl größte Eselei meiner Schachkarriere:

Nach zwei Niederlagen und zwei Siegen in Folge saß ich in der fünften Runde an Brett 25 und führte die weißen Steine.

Die Eröffnung läuft gut – das Ende ist zum Heulen. Foto: Lina Hufendiek

Mein Gegner, André Nicolas Heidel vom SC Aschaffenburg, war mit einer Elozahl von 2126 deutlich stärker eingestuft als ich. Trotzdem überspielte ich ihn in der Eröffnung. Nach einigen beiderseits schwachen Zügen im Mittelspiel, nagelte ich ihn schließlich im Königsangriff an die Wand. Zweimal rechnete ich mit seiner devoten Aufgabe, bis wir diese Stellung erreichten:

Ich habe Weiß, bin am Zug und könnte in drei Zügen mattsetzen. Dreimal Schach: g6+,Lf6+, Dxh6++. Also Schach, Schach, Schach – einfacher geht es nicht. Doch ich Esel tausche die Damen.

Ich verliere die Partie und kann es nicht fassen. Auch Dh5, was ich zuerst ziehen wollte, setzt in obiger Stellung matt. Und selbst nach dem Damentausch ist es immer noch matt, allerdings erst nach sechs Zügen, was ich in Zeitnot nicht gefunden habe.

Mein Gegner sagte im Anschluss, dass es ihm leidtue. Das machte es noch schlimmer. Ich verstehe bis heute nicht, warum ich ein Brett vor dem Kopf hatte. Danach war das Turnier für mich gelaufen und ich verlor jede Partie. DWZ-Verlust 100.000. Morgen höre ich auf mit der Klötzchenschieberei. Hier ist meine chronologische Gegnerliste:

Klar, dass es bei Jonas Freiberger, Michael Henkemeier und Stefan Bauer besser lief. Sie hielten die Fahnen unseres Schachklubs deutlich höher als ich. Jonas wurde 18. der A-Gruppe.

Gegen Martin Fenner in der ersten Runde spielte er grottig, gegen Helena Neumann in der fünften Runde stand er pleite, zeigte aber seine typische Stärke im Leichtfigurenendspiel. Gegen Herbert Kruse verpatzte er ein gewonnenes Turmendspiel zum Remis. Trotzdem gelang ihm ein respektables Ergebnis. Hier ist Jonas‘ Gegnerliste:

Michael startete vom Setzlistenplatz 90 und katapultierte sich mit solidem Spiel – ohne Eselei – auf den 65. Platz – stark. Seine Eloperformance beträgt 1949.

Exemplarisch sein Sieg gegen Jasper Bohle vom LSV Lippstadt, dem er mit Schwarz im 20. Zug die Qualität abknöpfte. Im 44. Zug gab sein Gegner schließlich in dieser Stellung auf:

Hier ist Michaels Gegnerliste:

Von Stefan in der B-Gruppe habe ich leider nichts mitbekommen. Er startete von Platz 90 und beendete sein Turnier auf dem 97. Platz. Hier ist seine Gegnerliste:

Meine Tochter Lina spielte zum zweiten Mal beim Chess- and Culture-Turnier mit – inklusive Museums- und Stadtführung. „Sehr interessant“ , sagte sie, sei es gewesen.

Durch ein Spielfrei in der zweiten Runde erhielt sie ziemlich früh drei kampflose Punkte – das war Pech. Denn danach traf sie als wertungslose Spielerin ausschließlich auf Gegner jenseits der 1800 Elo – ein Unding. Spaß gemacht hat es ihr dennoch. Hier ist ihre Gegnerliste:

Die Turnierorganisatoren haben erstmals A- und B-Gruppe räumlich komplett getrennt. Nach ihrer Aussage wegen der hohen Teilnehmerzahl: Denn in A-,B- und Culture-Gruppe saßen vom 27. bis zum 30. Dezember knapp 250 Schachspieler an den Brettern. Hinzu kamen etwa 120 Kinder, die am Sonntag ihr Tagesturnier in fünf Altersklassen von der U8 bis zur U16 im Untergeschoss des Heinz-Nixdorf-Museums austrugen. Für den Ausrichterverein SK Blauer Springer Paderborn ein Rekord. Sie meisterten die Herausforderung nicht nur dank der idealen Spielbedingungen hervorragend.

Für den viel zu früh verstorbenen internationalen Schiedsrichter Dirk Husemann setzten sie Dr. Andreas Junk als Hauptschiedsrichter ein – einen promovierten Physiker. Der gab klare Anweisungen, tätigte einige Ansagen in fließendem Englisch und schien seine Rolle mit viel Leidenschaft auszufüllen. Mir gefiel er gut.

Allerdings fand ich seine Regel überzogen, die das Fotografieren auf die ersten 15 Minuten nach Rundenbeginn beschränkte. Bei professionellen Wettbewerben mag das sinnvoll sein, bei hobbyorientierten Schachturnieren ist es das nicht. Nie hätte ich gedacht, dass ich Dirks laute Ermahnung zur Ruhe einmal vermissen werde – „PSCHT“.

Zu seinem Gedenken klinke ich erneut das Video ein, in dem Dirk dem neunjährigen Ashwath Kaushik aus Singapur im Frühjahr dieses Jahres beim Schloss-Open das Züge-Ansagen gegen den blinden René Adiyaman erklärt:

Nebenbei bemerkt ist Kaushik mittlerweile Fidemeister (2306) und auf Platz sechs seiner Altersklasse der weltweiten Schachwunderkind-Liste (Prodigy) vorgestoßen:

Der Vollsständigkeit halber füge ich an dieser Stelle schließlich noch einen Screenshot ein der ersten zwanzig Plätze der A-Gruppe des Paderborner Schachtürkencups. Dass der Fidemeister Klaus Schmitzer vom SK Münster das Turnier gewann, war vermutlich für viele eine Überraschung, zumal er in der Vorschlussrunde gegen Maurin Möller verlor. Doch in der Schlussrunde zeigte er im Gegensatz zu seinen Konkurrenten Kampfgeist und gewann seine Partie.

Und zum Schluss der Link zur Paderborner Schachtürkencup-Seite: https://www.schachtuerken-cup.de/:

NRW-Klasse 4. Spieltag: SV Meschede – SK Werther 3,5:4,5

Meschede (ehu). Der Matchwinner ist Michael. Als Ersatzmann am achten Brett holte er den entscheidenden Sieg. In einem Endspiel mit verschiedenfarbigen Läufern war sein gedeckter Freibauer nicht zu stoppen.

Leszjek Trojan – Michael Henkemeier 0:1.
Michaels c-Bauer schreitet zur Dame, sein Gegner gibt auf.

So gewinnen wir zum dritten Mal in dieser Saison mit einem hauchdünnen 4,5:3,5-Vorsprung. Nur ein Sieg fehlt jetzt noch für den Klassenerhalt, denn acht Punkte sollten reichen. Das muss in den ausstehenden fünf Begegnungen doch wohl möglich sein. Hier sind die Einzelergebnisse des Kampfes:

Markus am dritten Brett produzierte eine vergnügliche Berg- und Talfahrt. Sie hätten würfeln können. Markus gewann.

Markus Henkemeier – Olaf Hollnack 1:0.

Hier ist seine Partie zum Nachspielen. Den Bewertungschart habe ich zur Ansicht darunter platziert.

Marko spielte gegen Bernhard Rittmeier, mit einer DWZ von 2208 der stärkste Spieler des SV Meschede. Nach 21 Zügen vereinbarten sie – in vorteilhafter Stellung für Marko – Remis.

Mario kam am fünften Brett gegen einen starken Gegner zu einem weiteren wichtigen Unentschieden.

Mario

Maltes Gegner am siebten Brett hielt die Stellung lange im Gleichgewicht. Doch am Ende knöpfte ihm unser Mann einen Bauern nach dem anderen ab. Mit drei Bauern im Minus gab Maltes Gegner auf und wir gingen in Führung.

Jonas lehnte am Spitzenbrett im 22. Zug ein Remisangebot seines Gegners ab und verlor später die Partie.

Hier ist seine Schlussstellung, in der er mit Weiß am Zug aufgibt.

Jonas Freiberger – Stefan Arndt 0:1.

Ich stand am vierten Brett im Endspiel klar auf Gewinn. Doch im 39. Zug unterlief mir ein Fehler, so dass ich mit Schwarz am Zug dem Dauerschach nicht mehr entkam. Hier ist meine Stellung im 39.Zug:

In obiger Stellung hätte ich Kd6 finden müssen. Ich aber zog Kd7 und die Computerbewertung sackt von -5,9 auf 0 zusammen Zuhause schlug ich mehrfach meine Stirn auf die Tischplatte wie ein pickendes Huhn. Jonas sagte, er hat sich für mich geschämt, als er sah, dass ich das nicht gewinne.

Florian am siebten Brett spielte gegen Bert Hollmann (DWZ 2105) und war der klare Underdog. Die Partie ging in die Verlängerung. Florian hielt mit Dame und Läufer lange stand gegen Dame und vier Bauern. Am Ende war seine Gegenwehr jedoch vergebens.

Durch den Mannschaftssieg kletterten wir auf den dritten Tabellenplatz:

Hier noch der Link zur Schachbundseite der NRW-Klasse I: https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=nrw-k1

Jonas Freiberger bezwingt Bundestrainer Jan Gustafsson

Jonas Freiberger am Live-Brett.
Jan Gustafsson – Jonas Freiberger 0:1. Im Screenshot zieht der Großmeister seinen Turm soeben ahnungslos nach a7 – bei ausreichend Bedenkzeit auch in einer Blitzpartie ein krasser Patzer.
Schwupps – Jonas‘ Springer hat Gustafssons weißen Turm geschluckt. Gustafsson nimmts mit Humor.

Werther (ehu). Der eine rangiert mit 2225 Elopunkten auf Platz 771 der nationalen Rangliste, der andere mit 2591 Elopunkten auf Platz 9. Doch am Ende sackt Jonas den Punkt ein. David besiegt Goliath.

Der Schach-Bundestrainer Jan Gustafsson aus Hamburg ist Großmeister, ehemaliger Nationalspieler und ausgewiesener Eröffnungsexperte. Einst zählte er zum Sekundantenteam des Weltmeisters Magnus Carlsen. Seit 2020 betreibt er einen eigenen Streaming-Kanal auf der Plattform Twitch: JanistanTV.

Auf dem Kanal streamte er jetzt live seine Vorrunden-Partien zur Deutschen Schach-Online-Blitzmeisterschaft. Das Turnier wurde vom Deutschen Schachbund organisiert und war für alle Schachspieler offen. In der 21. Begegnung des Blitzschachturniers traf Gustafsson auf einen der besten Spieler im Altkreis: Jonas Freiberger vom SK Werther.

Der spielte unter seinem Pseudonym Mettigel mit den schwarzen Steinen und erhielt für seinen kuriosen Spitznamen prompt ein Lob des Profis: „Ein guter Name“, sagte Gustafsson.“ Schon in der Eröffnung opferte der Wertheraner einen Bauern. Gustafsson reagierte gelassen, zeigte sich aber beeindruckt von der Geschwindigkeit seines Gegners: Freiberger knallte fast jede schwarze Antwort à tempo auf das virtuelle Brett. 

Trotzdem erkämpfte sich Gustafsson eine leicht bessere Stellung. Im 25. Zug aber unterlief ihm ein sehr seltener Fehler auf Großmeisterniveau: Er stellte mit ausreichend Bedenkzeit ohne Not einzügig seinen Turm ein – und gab sofort auf. Für Jonas Freiberger ein persönliches Highlight seiner Schachkarriere, für Gustafsson am Bildschirm ein Grund zum Lachen.

Am Ende des Vorrundenturniers landete Jonas Freiberger dennoch nur auf Rang 48 von knapp 450 Teilnehmern. Damit verpasste er die Qualifikation zur Endrunde, die nur für die ersten 20 Plätze freigeschaltet wurde. Anders Gustafsson: Der gewann die Vorrunde und beendete die Endrunde letztlich leicht enttäuscht auf Platz acht.

Hier der Link zum Twitch-Kanal von Jan Gustafsson: https://www.twitch.tv/janistantv

NRW-Klasse, 3. Spieltag: SK Werther- SV Waltrop 4,5:3,5

Werther (ehu). Das war ’ne knappe Kiste. Genau wie wir trat auch der SV Waltrop in Bestbesetzung an. Mit recht viel Glück gewannen wir die Begegnung. Der Verlierer dümpelt nun bis auf Weiteres im Tabellenkeller herum.

Hier sind die Einzelergebnisse:

Es stand 3,5:2,5 für uns als ich am fünften Brett nach vier Stunden Spielzeit den Siegtreffer erzielte. Jonas meinte anschließend zu mir, dass ich den Kampf für uns gerettet habe.

Weiß grübelt und zieht gleich seinen g-Bauern vor. Ich reagiere mit einem schweren Fehler: Statt den Bauern mit meinem König aufzuhalten, nehme ich für die Aufgabe den Läufer (b5 und Lc4), was die Bewertung von -5,9 auf -0,1 absacken lässt. Mein Gegner jedoch verpasst die Chance zum Remis (Kc3!). Foto: Jonas Freiberger.

Ich frohlockte. So sieht meine Schlussstellung mit den schwarzen Klötzchen aus, in der mein Gegner Dogukan Atalik (DWZ 2005) aufgab, denn mein König rückt nun unaufhaltsam dem weißen Springer auf den Pelz:

Markus am vierten Brett erspielte sich ein großes Übergewicht am Königsflügel, das schließlich in einen hübschen Mattangriff mündete:

Markus Henkemeier – Andreas Winterberg 1:0.

In der Schlussstellung hätte unser Präsident den schwarzen König auf h6 in drei einfachen Zügen mattgesetzt, das jedoch ließ sich der Waltroper nicht mehr zeigen:

Weiß setzt den schwarzen König forciert matt.

Stark spielte Florian bei seinem Saisondebüt am siebten Brett. Leider werde ich aus dem Partieformular nicht schlau, so dass ich kein Stellungsbild zeigen kann. Zumindest gibt’s ein Foto:

Dr. Rolf Breidenbach – Florian Schwartz 0:1

Einen weiteren wichtigen Sieg steuerte Jonas bei. Allerdings recht unverdient, wie ich finde: Sein Gegner verlor in besserer Stellung auf Zeit.

Im Grillrestaurant Özcan redet Jonas seine eher mäßige Partie in der Analyse schön.

Marko spielte Remis. Angesichts des knappen Erfolges war das Gold wert:

Jörn Gasper – Marko Suchland 0,5:0,5.

Die dramatischste Niederlage des Tages kassierte Jan am zweiten Brett. Er spielte – wie so häufig – als Letzter. Minutenlang hing er in einem remislichen Dame-und-Leichtfigur-Endspiel am seidenen Inkrement-Faden. Einmal sah ich, wie er seine Zeit bis auf eine Sekunde ablaufen ließ und mein Leben damit deutlich verkürzte. Am Ende verlor er durch eine profane Bauerngabel:

Jan Haskenhoff – Atilla Öztekin 0:1.
Mario Ortpaul – Martin Drewes 0:1. Im Foto greift der schwarze Bauer b4 soeben Marios Springer an und zwingt unseren Mann ins Verderben.
Malte Prochnow – Jan Meier 0:1. Malte opfert die Dame für Turm und Springer des Gegners.

So sah Maltes Schlussstellung mit Weiß aus. Nach dem schwarzen Damenschach ist sein Ofen aus.

Nach dem Pflichtsieg sind wir auf den dritten Platz vorgerückt. Doch die schweren Gegner kommen erst noch:

Laut Liga-Orakel werden wir mit 19,1 Prozent Wahrscheinlichkeit am Saisonende Siebter sein. Unsere Abstiegswahrscheinlichkeit hat durch den Sieg gegen Waltrop um mehr als zehn Prozent abgenommen. Sie liegt mit 32,3 Prozent aber weiterhin auf einem sorgenvollen Level:

Und hier der Link zum Ergebnisdienst der NRW-Klasse 1: https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=nrw-k1.