Werther (ehu). Klassenerhalt! Mit einem souveränen 5:3-Sieg haben wir den SC Hansa Dortmund zurück ins Ruhrgebiet geschickt. Zwei Spieltage vor dem Ende sichern wir uns damit für ein weiteres Jahr das Spielrecht in der NRW-Klasse – Saisonziel erreicht. Hier die Einzelergebnisse:


Beeindruckend ist der Sieg von Jonas an Brett 1 gegen den Internationalen Meister Vyacheslav Klyuner. Der ist mit einer Elozahl von 2427 der nominell stärkste Spieler der Liga. Nach mutiger Eröffnungswahl hat unser Spitzenspieler den IM gut im Griff.

Jonas beginnt grandios, bietet einen Bauern preis und überspielt den IM schon in der Eröffnung. Nach dem zwölften weißen Zug beträgt der schwarze Vorteil mehr als drei Bauerneinheiten – Jonas steht auf Gewinn.
Dann aber lässt er Luft in die Stellung und Klyuner bekommt Gegenspiel. „Das ist der Grund, warum ich kein Meister bin“, sagt Jonas später in der Analyse im Restaurant Outside.
Das Ende der Partie ist absurd und raubt dem Spiel den Schauwert: Denn der IM patzt ohne Not einzügig seinen Springer ein. Obwohl Mittelteil und Ende der Partie unbefriedigend sind, füge ich die Notation zum Nachspielen an. Denn schließlich ist es laut Jonas sein erster Sieg mit Schwarz gegen einen Spieler dieser Klasse:
Nicht mehr als zwei Ungenauigkeiten des Schwarzspielers zeigt der Partiechart an:

An Brett 2 gerät Jans König im Schachhagel der schwarzen Dame unter die Räder.

In der Eröffnung agieren beide Kontrahenten umsichtig und halten den Laden zusammen. Erst Jans Bauernraub im 19. Zug schaufelt am eigenen Grab. Drei Züge später hebt er sein Grab noch tiefer aus, als er den groben Fehler f4 aufs Brett hackt.
Jans entblößter König wirft sich dadurch ungewollt der gegnerischen Dame zum Fraß vor. Die Dame reiht Schachgebot an Schachgebot und treibt den König vor sich her. Einen Zug vor dem Matt gibt Jan auf. Hier ist seine Schlussstellung und sein Partieverlauf:


Marko an Brett 3 bietet nach nur 20 Zügen Remis an. Der Partie mangelt es augenscheinlich an Höhepunkten.

Die Schlussstellung ist total ausgeglichen. Ich hätte trotzdem weitergespielt:

Sein Chart ist an Armut kaum zu überbieten:

An Brett 4 führt Markus die weißen Steine.

Nach einer wilden Berg- und Talfahrt trägt sein Partiechart im Schlussdrittel Zacken wie ein Hahnenkamm. Neun grobe Patzer in vierzig Zügen sind rekordverdächtig- drei auf der einen, sechs auf der anderen Seite. Das verleiht dem Stück einen drolligen Seltenheitswert. Das Nachspielen lohnt sich vor allem ab Zug 22.:

An Brett 5 habe ich die Nase voll von den schwarzen Steinen: In sechs von sieben Partien der Saison musste ich die Aufschläge meiner Gegner returnieren.
Immerhin aber gelingt mir das so gut wie selten. Mein einziges elementares Lebensziel – Elo und DWZ Ü-2000 – rückt wieder in greifbare Nähe. Dann höre ich endlich auf mit der Klötzchenschieberei und kann glücklich sterben.

Hier meine Schlussstellung in der Weiß das Matt in zwei Zügen (Tg2+ gefolgt von Sg3) nur unter sinnlosen Opfern abwehren kann. Stattdessen gibt mein Gegner auf und so meißele ich das 5:3-Endergebnis und den Klassenerhalt um zirka 15.15 Uhr in Stein:

Mein Partiechart:

Zuvor hat Mario an Brett 6 eine hübsche Königsjagd entfesselt. In der Schlussstellung droht er mit den weißen Steinen Matt auf c7. Das kann nur mit einem Springer-, Turm- oder Damenopfer abgewehrt werden.

Marios Schlussstellung:

Marios Partiechart:

Malte an Brett 7 erarbeitet sich mühsam einen gewinnverheißenden Vorteil.

Dank seinem entfernten Freibauern auf der a-Linie erreicht sein Vorteil drei Bauerneinheiten. Doch stellt Malte den Bauern in einem Moment der Unachtsamkeit ein und die Partie endet in der Punkteteilung. Das Diagramm zeigt den Unglücksmoment Tb3. Jetzt geht der a-Bauer nach der weißen Antwort Ta1 flöten:

Maltes Partiechart:

Fahrlässig hat unser Ersatzmann Felix Linnenbrügger im Diagramm unten an Brett 8 seinen g-Bauern vorgezogen.

Der Computer stöhnt: Felix‘ komfortabler Vorteil schlittert ins deutliche Minus. Denn der Schaden vor dem eigenen Königshaus ist irreparabel. Der blassgrüne Pfeil im Diagramm zeigt eine druckvolle Alternative für Weiß an – Db3. Von dort nimmt die Dame per Röntgenblick den Schwachpunkt e6 ins Visier, – das wärs gewesen:


In der Tabelle sind wir auf den vierten Platz geklettert und befinden uns in der Komfortzone.

Das Ligaorakel hat die Wahrscheinlichkeit für unseren Verbleib in der NRW-Klasse auf satte 99 Prozent hochgestuft:

Zum Schluss der Link zur Schachbundseite der NRW-Klasse 1: https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=nrw-k1
