Japaner gewinnt Schloss-Open

Werther (ehu). Kan Nakahara hat die 29. Ausgabe des Schloss-Opens gewonnen. In sieben Runden holte der 21-Jährige aus dem Land der aufgehenden Sonne 5,5 Punkte. Zweiter wurde mit 5 Punkten Pascal Brunke von der Schachgemeinschaft Bünde punktgleich vor dem Fidemeister Oliver Kniest von der Schachgesellschaft Solingen.

Kan Nakahara (Elo 2171) trägt den Titel eines Candidate Masters. Nach eigener Aussage strebt der 21-Jährige den Großmeistertitel an.

Kan Nakahara studiert in Osaka Medizin. Drei Wochen verbringt er derzeit in Deutschland. Dann reist er nach Budapest für ein weiteres Schachturnier.

Vor der Schlussrunde lag Kan Nakahara einen halben Punkt hinter dem führenden Pascal Brunke zurück. Um den Pokal und die 800 Euro Geldpreis einzustreichen, musste Nakahara gewinnen, während Brunke ein Remis zum Turniersieg gereicht hätte. Mit den schwarzen Steinen spielte Nakahara kompromisslos auf Sieg. Brunkes Remisangebot lehnte er daher ab.

„Ich war sehr nervös“, sagte der sympathische Japaner später. Seine Hand zitterte, während er die Figuren übers Brett zog. Trotz zitternder Hand baute er schon in der Eröffnung mächtig Druck gegen die gegnerische Dame auf. Pascal Brunke sah sich gezwungen, seine wertvollste Figur für zwei Leichtfiguren zu opfern.

Nakahara ließ nicht locker und setzte weiter stark fort. Als er Brunkes letzte Hoffnung – einen Freibauern – taktisch versiert vom Brett pflückte, erhielt der Japaner eine Gewinnstellung, die der Computer mit knapp fünf Bauerneinheiten Vorteil für Nakahara bewertet. Im 37. Zug nahm er die Glückwünsche seines Gegners entgegen. Nach Angabe Nakaharas war sein Sieg in der Schlussrunde zugleich sein schönster im Turnier. Die Partie ist zum Nachspielen angefügt:

Wie stark der Japaner spielte, verdeutlicht der Partiechart:

Sein Weg zum Turniererfolg sieht so aus:

Der Favorit Pascal Brunke von der Schachgemeinschaft Bünde muss in der Schlussrunde mit Weiß eine bittere Niederlage gegen den späteren Turniersieger hinnehmen.

Im Vergleich zu den Vorjahren war das Teilnehmerfeld im A-Open schwach besetzt. Erstmals seit vielen Jahren spielten weder Großmeister noch internationale Meister mit. IM Bogdan Bilovil, der das Turnier zuletzt dreimal in Serie gewann, weilt derzeit in den USA. Zudem veranstaltete der SK Münster zur gleichen Zeit ein höher dotiertes Open, so dass einige Stammgäste dem Turnier fernblieben.

Pascal Brunke ging mit einer Elozahl von 2276 als Setzlistenerster ins Rennen. Brunke kam zunächst seiner Favoritenrolle nach. Robin Bentel von den Schachfreunden Lieme spielte er mit den schwarzen Steinen schwindelig. Im 26. Zug zertrümmerte er mit einem hübschen Turmeinschlag auf e4 das schützende Bauernschild vor dem gegnerischen König und sackte wenig später den vollen Punkt ein:

Auch diese Partie ist zum Nachspielen angefügt.

Die 13-jährige Lilian Schirmbeck war die einzige Vertreterin aus dem Altkreis in der A-Gruppe. Die Hochbegabte fand nicht ins Turnier und blieb mit 1,5 Punkten unter der Erwartung. Sie setzte in der zweiten Runde aus und zog sich vor der Schlussrunde vom Turnier zurück.

Die Meisterkandidatin Lilian Schirmbeck aus Halle fand als jüngste Teilnehmerin der A-Gruppe nicht ins Turnier hinein. Vor der Schlussrunde stieg sie aus dem Wettbewerb aus.

Lilian Schirmbecks Turnierverlauf:

Lokalmatador Jonas Freiberger vom ausrichtenden Verein SK Werther verzichtete auf eine Teilnahme, weil er bei den NRW-Einzelblitzmeisterschaften antrat. Das tat er sehr erfolgreich: Er wurde nach 20 Runden NRW-Vizemeister und qualifizierte sich für die Deutschen Blitzeinzelmeisterschaft im Juli in Dresden.

Die vier Gruppenersten auf einen Blick:

Stefan Giese (v.l., Sieger B-Gruppe von den SF St. Johannes Spelle), Kan Nakahara (A-Gruppe, Japan), Kevin Kleinelümern (C-Gruppe, Gütersloher SV) und Paul Böckmann (D-Gruppe, Sk Werther).

Und hier noch ein paar Fotos in loser Folge:

Fidemeister Holger Hebbinghaus vom SK Doppelbauer Kiel schrappte als Achtplatzierter knapp an den Preisrängen vorbei.
Andreas Diembeck vom SK Werther trat in der C-Gruppe an.
Blick auf die Bretter der B-Gruppe. Es gibt Applaus für die Veranstalter zum Turnierstart.
Eric Oevermann vom SK Minden hängt sich rein. Er wird am Ende Dritter der B-Gruppe.
Rundenstart in der A-Gruppe.
Alexander Hilverda (2216) hat vor einigen Jahren das Turnier gewonnen. Diesmal muss er mit dem 18. Platz vorliebnehmen.
Die 16-jährige Luna Vogt vom Bielefelder SK fegt in der Auftaktrunde den Berichterstatter vom Brett.
Fidemeister Volodymyr Medvedyk von den Schachfreunden Korbach verliert die Vorschlussrunde am ersten Brett der A-Gruppe gegen den Turnierfavoriten Pascal Brunke von der Schachgemeinschaft Bünde.
Kampf um den Turniersieg in der Schlussrunde: Pascal Brunke (l.) gegen Kan Nakahara.
Peter Scholz von der SG Ennigerloh-Oelde verliert mit Schwarz gegen Jouke Algra aus den Niederlanden.
Anton Engst und Kirsten Bünte nebeneinander. Im unteren Bild spielen sie gegeneinander.
Kirsten Bünte vom Rhedaer SV spielt Remis gegen Anton Engst von der SG Weisse Dame Hamburg.
Stefan Giese (l.) von den SF St. Johannres Spelle bezwingt in der ersten Runde des B-Opens Ralf Bascheck vom Brackweder SK.
Felix Linnebrügger vom SK Werther verliert die zweite Runde des B-Opens gegen David Slusarski.
Martin Hauke vom SK Werther hat das zweite Turnier seines Lebens erfolgreich beendet.
Die Schlussrunde der B-Gruppe. Maximilian Jürgenpott vom SV Osnabrück im rosa Hoodie schlägt den Berichterstatter.
Schiedsrichter Bernhard Sahrhage (v.l.), Vorsitzender Markus Henkemeier und Schiedsrichter Christian Jackl begrüßen knapp 200 Teilnehmer in vier Spielstärkegruppen.
Uhrenproblem in der C-Gruppe. Bernhard Sahrhage greift ein.
Schlussrunde in der D-Gruppe: Lorenz Kowalzik (l.) vom SK Turm Lage gegen Jonathan Groß vom Bielefelder SK. Groß gewinnt.
Simon Fischermann von der SG Porz bezwingt mit den weißen Steinen Luna Vogt vom Bielefelder SK.
Vereinsduell im Vordergrund: Andreas Diembeck (rechts) gegen Joschua Schramm 0,5:0,5.
Rebecca Browning vom Schachverein Märkischer Springer Halver-Schalksmühle düpiert zum Auftakt des A-Opens den Fidemeister Volodymyr Medvedyk von den Schachfreunden Korbach.
Analyse im Innenhof.
Der Vizelandesmeister im Blitzschach Jonas Freiberger (l.) und der verlorene Sohn des SK Werther, Karl Ulrich Goecke, bei der Auswertung des Turniers.
Erstmals auf mein Bestreben broadcastete die Plattform lichess unser Turnier. Die elf ersten Bretter wurden übertragen mit Bewertungsanzeige bei 20 Minuten Delay. In der Spitze verzeichneten wir eine Zuschauerzahl im hohen einstelligen Bereich.

Und hier die Links zu den vier Gruppen:

A-Open: https://s1.chess-results.com/tnr1308592.aspx?lan=0

B-Open: https://s2.chess-results.com/tnr1308597.aspx?lan=0

C-Open: https://s2.chess-results.com/tnr1308600.aspx?lan=0

D-Open: https://s2.chess-results.com/tnr1308602.aspx?lan=0

Kinder- und Jugendopen: https://s2.chess-results.com/tnr1308603.aspx?lan=0

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