NRW-Klasse 6. Spieltag: SK Münster II – SK Werther 5:3

Werther (ehu). Marko gebührt am dritten Brett der Schönheitspreis des Tages. Hübsch opferte er im Endspiel seine Dame. So ebnete er im Duell mit Aaron Kamp (DWZ 2081) seinem weit vorgerückten h-Bauern den Weg zur Umwandlung. Das einminütige Video hält das finale Damenopfer fest, wonach sein Gegner sofort aufgibt:

Marko am dritten Brett.

Markos Schlussstellung ist ein Diagramm wert:

Ein paar Züge zuvor zieht Marko im Foto Dg7 und bietet damit erstmals seine Dame preis. Doch die darf Schwarz nicht nehmen.

Markos Chart zeigt, dass der Weg zum weißen Sieg alles andere als trivial war:

Zum Nachspielen ist seine Partie angefügt. Im Endspiel unterläuft ihm im 67. Zug ein Fehler, der die Stellungsbewertung kurzfristig von 3,55 Plus auf 0,06 herabrauschen lässt. Doch wer hätte in der Stellung nicht ebenfalls f5 gezogen?

Ich saß neben ihm und agierte ziemlich kopflos. Naiv opferte ich am vierten Brett in der Eröffnung Springer und Läufer für Turm und Bauer.

Mein Gegner stand danach klar auf Gewinn und verbesserte Zug um Zug seine Stellung. Nach 54 Zügen gab ich endlich auf. Ich fragte nach einer gemeinsamen Analyse und ging in den Analyseraum. Doch mein Gegner kam nicht. Vielleicht war ihm die Partie zu einseitig oder er ist einfach unhöflich – keine Ahnung. So analysierte ich das Trauerspiel erst alleine und dann kurz mit Jonas.

Das ist meine Schlussstellung mit den schwarzen Steinen. Mein Gegner spielte mit 99 Prozent Genauigkeit ziemlich gut – ich hab’s ihm sehr leicht gemacht:

Doch nicht allein meinetwegen verloren wir den Kampf. Ersatzgeschwächt waren unsere Chancen ohnehin gering. Denn Markus und Florian sagten ab.

Kurz vor dem Start des Kampfes.

Zu unserer Überraschung trat die zweite Mannschaft des SK Münster ebenfalls deutlich schwächer als üblich an die Bretter. Davon gespürt haben wir leider kaum etwas. Hier die Einzelergebnisse:

Einen schönen Einzelerfolg aus unserer Sicht zum Auftakt der Begegnung feierte Insa am siebten Brett:

So sieht ihre Schlussstellung mit Weiß nach nur 21 Zügen aus:

Null Fehler, null Patzer und nur eine Ungenauigkeit sagt ihr Analyseverlauf – stark:

Kann es sein, dass sie die erste weibliche Spielerin ist, die für den SK Werther in der NRW-Klasse einen Punkt geholt hat? Oder ist es sogar so, dass sie überhaupt die erste weibliche Spielerin ist, die jemals für die erste Mannschaft des SKW gespielt hat? Siegreich noch dazu.

Wer hat den Frauen 1918 eigentlich das Wahlrecht zugestanden? Und wer hat ihnen schon vier Jahrzehnte später die männliche Vormundschaft entzogen? Seitdem erleben wir einen Dammbruch nach dem anderen. Sollen die „Wesen zweiter Klasse“ (Schopenhauer) etwa irgendwann das gleiche Geld verdienen wir wir? Und uns dann womöglich auch noch am Schachbrett eine lange Nase zeigen?

Zur Ehrenrettung steuerte Jan am zweiten Brett einen Sieg des überlegenen männlichen Geistes bei.

Jans letzter Zug ist Lf2, sein Gegner gibt in der folgenden Stellung auf:

Und hier ist sein Analyseverlauf. 97 Prozent Genauigkeit ist ein mannschaftsinterner Rekord:

Jonas, Mario, Malte und Ilya verloren ihre Partien.

Jonas erkältet am ersten Brett.

Jonas opferte fatalerweise auf g6 einen Springer. Sein Gegner verteidigte sich akkurat. So ergab sich unser Spitzenspieler später seinem Schicksal und baute mehr oder weniger ein Selbstmatt. Hier ist das Matt und der Partiechart:

Im Schlussdrittel ließ ihm der Münsteraner keine Chance:

Mario am fünften Brett strich im Turmendspiel die Segel.

Mario

Im 20. Zug bot er Remis. Die Stellung war zu diesem Zeitpunkt total ausgeglichen. Doch sein Gegner lehnte ab. Ein paar Züge später ging es bergab für unseren Mann, weil Mario anscheinend die TurKMenistan-Regel nicht ausreichend beherzigte (Turmaktivität vor Königsaktivität vor Material). Hier ist seine Schlussstellung mit den weißen Steinen:

Marios Chartverlauf zeigt die späte Talfahrt:

Maltes Partie am sechsten Brett war nach seiner Aussage ein „Auf und Ab“. Sein Partiechart untermauert seine Einschätzung. Zwischenzeitlich erarbeitete sich Malte einen Vorteil von 5,8 Bauerneinheiten. Ich hätte mir ins Knie gebissen, wenn ich das noch verloren hätte. Malte verlor und biss sich nicht ins Knie.

Malte

Mit Schwarz am Zug unterlief ihm im 35. Zug ein schwerer Fehler, der seinen gesamten Vorteil zunichte machte. Er spielte nämlich im folgenden Stellungsbild das naheliegende Sxc1, doch der beste Zug ist Sf6!. Möglicherweise hätten wir danach zumindest einen Punkt aus dem Mannschaftskampf mit nach Hause genommen:

Jood Alhamwi – Malte Prochnow 1:0.

Eine letzte, versteckte Möglichkeit zum Ausgleich vergab Malte kurz vor Schluss – ziemlich aufregende Partie. Hier ist noch einmal die bemerkenswerte Ausgleichmöglichkeit, die ich als Beobachter an der Seite ebenfalls nicht erkannte. Was hättet ihr in der Stellung gezogen? Es droht Damenverlust; wer kommt da schon auf den Zug Ka7? Malte gab stattdessen die Qualität und reichte wenig später die Hand zur Aufgabe:

Die weiße Springergabel scheint zu gewinnen. Doch die schwarze Antwort Ka7! reicht zum Ausgleich. Eine nette kleine Taktikaufgabe.

Maltes „Auf und Ab“ als Chart:

Ilya, der sich netterweise sehr kurzfristig für den krankheitsbedingt ausgefallen Florian als Ersatzmann ans achte Brett setzte, produzierte eine Kurzpartie zu seinen Ungunsten: Nach 18 Zügen war Schluss. In einer Wiener Partie unterlief ihm im vierten Zug mit Schwarz ein folgenschwerer Fehler: Sc6??. Danach ist die Partie kaum noch zu retten. Richtig wäre d5 gewesen:

Schwarz beantwortet den Zug f4 mit dem Fehler Sc6: Luis Philipp – Ilya Zolothyk 1:0.

Wir haben gegen den stark ersatzgeschwächten SK Münster II eine gute Gelegenheit zum vorzeitigen Klassenerhalt verpasst. Unsere Tabellensituation hat sich kaum verändert, wir bleiben Fünfter. Nach Brettpunkten hingegen wären wir nur Siebter:

Und hier der Link zur Ergebnisseite des Deutschen Schachbundes: https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=nrw-k1

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