Paderborn (ehu). Meine Lieblingsfigur aus dem Comic „Streit um Asterix“ heißt Taubenus – ein Spezialist für „psychologische Kriegsführung“.

Taubenus spiegelt bildlich ziemlich genau meinen Gemütszustand wider nach dem Geschehen in der fünften Runde des Schachtürkencups in Paderborn. Dort produzierte ich die wohl größte Eselei meiner Schachkarriere:
Nach zwei Niederlagen und zwei Siegen in Folge saß ich in der fünften Runde an Brett 25 und führte die weißen Steine.

Mein Gegner, André Nicolas Heidel vom SC Aschaffenburg, war mit einer Elozahl von 2126 deutlich stärker eingestuft als ich. Trotzdem überspielte ich ihn in der Eröffnung. Nach einigen beiderseits schwachen Zügen im Mittelspiel, nagelte ich ihn schließlich im Königsangriff an die Wand. Zweimal rechnete ich mit seiner devoten Aufgabe, bis wir diese Stellung erreichten:

Ich verliere die Partie und kann es nicht fassen. Auch Dh5, was ich zuerst ziehen wollte, setzt in obiger Stellung matt. Und selbst nach dem Damentausch ist es immer noch matt, allerdings erst nach sechs Zügen, was ich in Zeitnot nicht gefunden habe.
Mein Gegner sagte im Anschluss, dass es ihm leidtue. Das machte es noch schlimmer. Ich verstehe bis heute nicht, warum ich ein Brett vor dem Kopf hatte. Danach war das Turnier für mich gelaufen und ich verlor jede Partie. DWZ-Verlust 100.000. Morgen höre ich auf mit der Klötzchenschieberei. Hier ist meine chronologische Gegnerliste:

Klar, dass es bei Jonas Freiberger, Michael Henkemeier und Stefan Bauer besser lief. Sie hielten die Fahnen unseres Schachklubs deutlich höher als ich. Jonas wurde 18. der A-Gruppe.

Gegen Martin Fenner in der ersten Runde spielte er grottig, gegen Helena Neumann in der fünften Runde stand er pleite, zeigte aber seine typische Stärke im Leichtfigurenendspiel. Gegen Herbert Kruse verpatzte er ein gewonnenes Turmendspiel zum Remis. Trotzdem gelang ihm ein respektables Ergebnis. Hier ist Jonas‘ Gegnerliste:

Michael startete vom Setzlistenplatz 90 und katapultierte sich mit solidem Spiel – ohne Eselei – auf den 65. Platz – stark. Seine Eloperformance beträgt 1949.

Exemplarisch sein Sieg gegen Jasper Bohle vom LSV Lippstadt, dem er mit Schwarz im 20. Zug die Qualität abknöpfte. Im 44. Zug gab sein Gegner schließlich in dieser Stellung auf:

Hier ist Michaels Gegnerliste:

Von Stefan in der B-Gruppe habe ich leider nichts mitbekommen. Er startete von Platz 90 und beendete sein Turnier auf dem 97. Platz. Hier ist seine Gegnerliste:

Meine Tochter Lina spielte zum zweiten Mal beim Chess- and Culture-Turnier mit – inklusive Museums- und Stadtführung. „Sehr interessant“ , sagte sie, sei es gewesen.

Durch ein Spielfrei in der zweiten Runde erhielt sie ziemlich früh drei kampflose Punkte – das war Pech. Denn danach traf sie als wertungslose Spielerin ausschließlich auf Gegner jenseits der 1800 Elo – ein Unding. Spaß gemacht hat es ihr dennoch. Hier ist ihre Gegnerliste:

Die Turnierorganisatoren haben erstmals A- und B-Gruppe räumlich komplett getrennt. Nach ihrer Aussage wegen der hohen Teilnehmerzahl: Denn in A-,B- und Culture-Gruppe saßen vom 27. bis zum 30. Dezember knapp 250 Schachspieler an den Brettern. Hinzu kamen etwa 120 Kinder, die am Sonntag ihr Tagesturnier in fünf Altersklassen von der U8 bis zur U16 im Untergeschoss des Heinz-Nixdorf-Museums austrugen. Für den Ausrichterverein SK Blauer Springer Paderborn ein Rekord. Sie meisterten die Herausforderung nicht nur dank der idealen Spielbedingungen hervorragend.
Für den viel zu früh verstorbenen internationalen Schiedsrichter Dirk Husemann setzten sie Dr. Andreas Junk als Hauptschiedsrichter ein – einen promovierten Physiker. Der gab klare Anweisungen, tätigte einige Ansagen in fließendem Englisch und schien seine Rolle mit viel Leidenschaft auszufüllen. Mir gefiel er gut.
Allerdings fand ich seine Regel überzogen, die das Fotografieren auf die ersten 15 Minuten nach Rundenbeginn beschränkte. Bei professionellen Wettbewerben mag das sinnvoll sein, bei hobbyorientierten Schachturnieren ist es das nicht. Nie hätte ich gedacht, dass ich Dirks laute Ermahnung zur Ruhe einmal vermissen werde – „PSCHT“.
Zu seinem Gedenken klinke ich erneut das Video ein, in dem Dirk dem neunjährigen Ashwath Kaushik aus Singapur im Frühjahr dieses Jahres beim Schloss-Open das Züge-Ansagen gegen den blinden René Adiyaman erklärt:
Nebenbei bemerkt ist Kaushik mittlerweile Fidemeister (2306) und auf Platz sechs seiner Altersklasse der weltweiten Schachwunderkind-Liste (Prodigy) vorgestoßen:

Der Vollsständigkeit halber füge ich an dieser Stelle schließlich noch einen Screenshot ein der ersten zwanzig Plätze der A-Gruppe des Paderborner Schachtürkencups. Dass der Fidemeister Klaus Schmitzer vom SK Münster das Turnier gewann, war vermutlich für viele eine Überraschung, zumal er in der Vorschlussrunde gegen Maurin Möller verlor. Doch in der Schlussrunde zeigte er im Gegensatz zu seinen Konkurrenten Kampfgeist und gewann seine Partie.

Und zum Schluss der Link zur Paderborner Schachtürkencup-Seite: https://www.schachtuerken-cup.de/:
