Jonas gewinnt das Hans-Lindlar Gedächtnisturnier

Halle (ehu). Jonas hat Katz-und-Maus gespielt. Meinen König schubste er in der zweiten Runde übers Brett:  Schon nach drei Zügen zauderte er nicht, opferte seinen Läufer auf f7 und zertrümmerte meine Stellung.

„Kawumm“ hörte ich ihn denken und hampelte noch ein wenig mit meinem König umher, versuchte mit einem Läuferzug nach g7 die Dame zu fangen: 

und gab mich schließlich nach der weißen Antwort Sg5+ in aussichtsloser Lage geschlagen.

Ebenfalls in der Eröffnung zwang unsere ehemaliger Spitzenspieler dem Mitfavoriten Claudius Gottstein in den ersten Zügen eine schlechtere Bauernstruktur auf. Die münzte er später im Bauernendspiel gekonnt in einen vollen Punkt um – mit Hilfe eines klassischen Durchbruchs. Das lehrreiche Manöver verdient ein Diagramm:

b5!

Nach sieben gespielten 15-Minuten-Partien, von denen Jonas sechs gewann und nur eine gegen Markus Schirmbeck verlor, überreichte Turnierleiter Bernd Fischer Jonas 50 Euro und den Hans-Lindlar-Gedächtnispokal.

Jonas hielt sich nicht mit Jubeln auf, setzte sich stattdessen direkt nach der Ehrung wieder ans Brett, um mich in einer freundschaftlichen Blitzpartie und der geistreichen Bemerkung „Komm zieh, du dreckiges Schwein“ ein weiteres Mal zu vermöbeln.

Den zweiten Platz im Turnier errang Dieter Hofene (DWZ 1983) von den Schachfreunden Beelen. Dritter wurde Justus Köhler (DWZ 1930) vom Bielefelder SK, Vierter der 19-jährige Lai Hop Long DWZ (1788) vom SV Werder Bremen, der mit drei weiteren Bremern extra für das Schnellschachturnier in die Lindenstadt gereist war.

Aus Vereinssicht lief das Turnier gut: Rüdiger, vormaliger Sieger, schien die lange Spielpause am Brett zu beflügeln. Ein glänzender Damenfang krönte seinen Sieg gegen den späteren Zweitplatzierten. Am Ende erreichte er von den 28 Teilnehmern einen ausgezeichneten fünften Platz und schrammte nur knapp an den Preisrängen vorbei.

Ich landete  auf dem sechsten Rang und hatte dabei Kalle unwürdig vertreten. Der hatte zuvor auf seinen Startplatz verzichtet zugunsten einer selbstverordneten Quarantäne. Bis auf die zwei Erstplatzierten bekam ich  leichte Gegner und tat mich trotzdem schwer. Zwei Niederlagen, fünf Siege und keine einzige gute Partie ist meine Bilanz . Hier mal ein erschreckendes Beispiel meiner zeitweiligen Inkompetenz: In folgender Stellung erschien mir tatsächlich der Zug c5?? vernünftig zu sein.

Die prompte Antwort lautete c3 und ließ mich zurückdenken an meine Fähigkeiten als Sechsjähriger. Immerhin setzte ich meinen Gegner, der im vergangenen Jahr noch bei der Deutschen Einzelmeisterschaft im  „Kinderschachturnier für die Kleinsten“ mitspielte, später etwas glücklich matt.

Der SK Künsebeck hatte die Austragung des Hans-Lindlar-Gedächtnisturniers unter den derzeit herrschenden Hygienebestimmungen mit nur drei Helfern auf die Beine gestellt – Respekt. Brett, Uhren und Figuren desinfizierten sie. Die Alltagsmaske musste getragen werden, nur am Brett durften der Spieler darauf verzichten. Viele behielten sie aber auch während der Partien an. Zudem lüfteten die Organisatoren gleich mehrmals den Spielsaal.

Hier die Abschlusstabelle als Foto:

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